Archiv für den Monat Juli 2007

Risiken und Komplikationen der Hodentumortherapie:

Freitag, 20. Juli 2007

Das Hauptproblem der Hodentumortherapie liegt bei den meist noch jungen und kinderlosen Männern in der irreversiblen Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Hierbei muss man wissen, dass der von einem Hodentumor betroffene Patient bereits zum Zeitpunkt der Diagnose meist eine deutliche Beeinträchtigung der Spermiogenese und somit der Fruchtbarkeit aufweist, welche durch weitere Chemotherapien oder Bestrahlungen noch zusätzlich eingeschränkt wird.

Außerdem haben Studien gezeigt, dass Hodentumorpatienten im späteren Alter (40-60 Jahre) 3x häufiger von einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) betroffen sind als die Normalbevölkerung, sodass dann diese Männer später eine Testosteron-Substitutionstherapie benötigen.

In Abhängigkeit davon, ob und wie viel Chemotherapien erforderlich wurden besteht in späteren Jahren ein erhöhtes Risiko, an Zweittumoren zu erkranken (Leukämien, Lymphome etc.).

Hodentumorpatienten sollten deshalb auch jenseits der so genannten 5-Jahresgrenze (der Zeitraum, in welchem kein Relaps des Hodentumors mehr festgestellt wurde – die Tumorrelapse kommen meist in den ersten 2 Jahren, seltener nach 3-5 Jahren und ganz selten noch nach 5 Jahren) den Urologen zur Tumornachsorge aufsuchen.

Therapie beim Hodentumor (Hodenkrebs)

Dienstag, 17. Juli 2007

Die Therapie beim Hodentumor besteht immer in der Entfernung (Semikastratio) des vom Tumor betroffenen Hodens über einen Leistenschnitt. Ist der Tumor bereits in den Hodensack mit infiltriert, was in unserer heutigen Zeit eine absolute Seltenheit darstellt, müssen gleichzeitig der Hodensack (Skrotum) und die Leistenlymphknoten mit entfernt werden.

Da, wie schon eingangs erwähnt, 5-6 % der Männer auch im klinisch unauffälligem anderen Hoden bereits Vorstufen von Hodenkrebs (TIN bzw. pTis) aufweisen wird immer gleichzeitig eine Biopsie aus dem anderen Hoden entnommen. Weist diese Biopsie bei der histologischen Aufarbeitung bereits Vorstufen eines Hodenkrebses auf, dann wird der Hoden noch mit 20 Gy bestrahlt.

Das weitere Vorgehen nach der Hodenentfernung hängt von der endgültigen Histologie des Tumors ab, welche vom Pathologen geliefert wird. Prinzipiell unterscheidet sich das Vorgehen zwischen den Seminomen und Nichtseminomen:

Seminome:

Circa 15-20 % aller Seminome im klinischen Stadium I haben subklinische Metastasen, meist im Retroperitoneum (Lymphknotenstationen) , sodass es zu einem Fortschreiten des Tumorleidens käme, wenn die Therapie in der alleinigen Hodenentfernung bestünde. Es bestehen nun generell folgende Optionen für den Seminompatienten nach der Hodenentfernung:
Radiotherapie (Bestrahlung): Durch die Bestrahlung der paraaortalen Lymphknoten mit insgesamt 20 Gy kann die Relapsrate von 15-20 % auf 1-3 % gesenkt werden.
Surveillance (Nachbeobachtung): Diese besteht in der regelmäßigen Durchführung Bild gebender Verfahren wie Sonographie und Computertomographie. Wie schon erwähnt muss bei diesem Vorgehen in 15-20% mit dem Neuauftreten von retroperitonealen Lymphknotenmetastasen gerechnet werden, welche dann entweder mittels Bestrahlung oder Chemotherapie behandelt werden.
Adjuvante Chemotherapie: Hier wird nur ein Behandlungszyklus mit Carboplatin durchgeführt, welcher allgemein gut vertragen wird. Die Relapsrate nach diesem Verfahren ist mit 1-3 % der der Strahlentherapie vergleichbar.
Eine retroperitoneale Lymphadenektomie (operative Entfernung der Lymphknoten) wird bei Seminomen allgemein nicht durchgeführt.

Nicht-Seminome:

Bis zu 30 % der Patienten mit Nichtseminomen im klinischen Stadium I haben okkulte, also mittels Bild gebender Verfahren zum Zeitpunkt der Hodenentfernung noch nicht nachweisbare Lymphknoten- oder Fernmetastasen. Generell haben die Patienten folgende Optionen nach der Hodenentfernung:
Surveillance (Nachbeobachtung): Regelmäßige Befundkontrollen der Tumormarker sowie mittels Bild gebender Verfahren (Sonographie/CT). Patienten ,die sich für dieses Vorgehen, entscheiden, haben folgende Wahrscheinlichkeiten eines Tumorfortschreitens: nach 1 Jahr 8 %, nach 2 Jahren 12 %, im dritten Jahr dann weitere 6 %,in den nächsten Jahren dann nur noch 1 %.
Adjuvante Chemotherapie: Allgemein werden 2 Kurse einer Cisplatin haltigen Chemotherapie gegeben ,meistens in Kombination mit Etoposide und Bleomycin. Hierunter kommt es meist noch nicht zu einer Beeinträchtigung von Fertilität und Potenz.

Retroperitoneale Lymphknotenentfernung (retroperitoneale Lypmhadenektomie –RLA):

Dieser Eingriff wird entweder offen chirurgisch durchgeführt, wobei hier ein großer Längsschnitt vom Brustbeinende bis zur Schambeinfuge erfolgen muss, oder aber endoskopisch-laparoskopisch (sog. Schlüssellochchirurgie). Entfernt werden die Lymphknoten der primären Lymphknotenstationen - beim rechtsseitigen Hodenkrebs vor der Hohlvene (Vena cava) und beim linksseitigen Hodenkrebs vor und neben der Bauchschlagader (Aorta).Zu früheren Zeiten bestand das Hauptproblem dieses Eingriffes in der Tatsache , dass die so mit einer Lymphknotenentfernung behandelten Patienten oft unfruchtbar wurden, da die Nervenbahnen, welche beim Mann den Samenerguss (Ejakulation) vermitteln, direkt vor der Bauchschlagader verlaufen. Durch so genannte Nerven schonende (Ejakulation erhaltende) Operationstechniken kommt diese für die jungen Männer gravierende Komplikation in geübten Händen nur noch selten vor.

Therapie des metastasierendern Hodentumors (Hodenkrebs):

Bestehen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ,also wenn der Patient erstmals einen Arzt aufsucht, bereits Metastasen, welche in den Bild gebenden diagnostischen Verfahren (CT, Kernspintomographie, Röntgenaufnahme der Lunge) bereits sichtbar sind, so wird nach der Hodenentfernung sowohl beim Seminom als auch beim Nichtseminom zunächst eine Polychemotherapie durchgeführt. Das weitere Vorgehen (z.B. operative Entfernung von noch sichtbaren Metastasen oder erneute Chemotherapie mit anderen Substanzen) richtet sich dann nach den jeweiligen Befunden, d.h. nach dem Verhalten der Tumormarker und den Befunden im Computertomogramm bzw. Kernspintomogramm.

Histologische Klassifizierung der Hodentumore (Hodenkrebse)

Samstag, 14. Juli 2007

Die Hodenkrebse beim erwachsenen Mann unterteilen sich in seminomatöse (Seminome) und nicht- seminomatöse Tumore (Nichtseminome - reifes Teratom ,Teratokarzinom, Embryonalkarzinom,Chorionkarzinom) ,welche sich bezüglich Therapie und Prognose teilweise voneinander unterscheiden. Oftmals handelt es sich um so genannte Mischtumore, das heißt ,dass der Hodenkrebs aus Anteilen eines Embryonal-,Terato- und/oder Chorionkarzinoms bestehen kann

Hodentumore können entweder über die Lymphbahnen in die regionären Lymphknoten oder aber direkt über den Blutkreislauf in andere Organe und hierbei bevorzugt in Lunge, Leber und Gehirn metastasieren. Da der venöse Abfluss des rechten Hodens in die untere Hohlvene (Vena cava) und der des linken Hodens in die linke Nierenvene erfolgt sind die ersten Lymphknotenstationen, wo Lymphknotenmetastasen generell abgesiedelt werden , beim rechten Hodenkrebs neben und auf der Hohlvene und beim linken Hodenkrebs neben und auf der Bauchschlagader (Aorta) in Höhe der Nierengefäße zu finden.

Testosteronmangel (Hypogonadismus) läßt ältere Männer früher sterben

Sonntag, 08. Juli 2007

Ein Mangel and Testosteron (Fachchargon Hypogonadismus) ist bei Männern über 40-50 Jahren in bis zu 20 % nachweisbar, d.h.,dass jeder 5. Mann in Deutschland zu wenig Testosteron im Blut und somit in seinen Organen hat.

Schon seit vielen Jahren weiß man, dass Testosteron und seine Metaboliten unter anderem für den Knochenbau, die Blutfarbstoffbildung, die Muskelkraft und die Sexualfunktionen (Erektion,Libido, Ejakulation und Orgasmus) notwendi ist.

In einer jüngsten prospektiven Kohortenstudie mit 856 Männern über 40 Jahre,davon 452 (52,7%) Männer mit normalen ,166 (19,3 %) Männern mit deutlich erniedrigten (< 250 ng/dl) und 240 (28 %) Männern mit wechselnden Testosteronwerten konnte nun überhaupt das erste Mal in der Medizin nachgewiesen werden, dass die Männer mit deutlich erniedrigten Testosteronspiegeln, also mit einem Hypogonadismus, eine deutlich geringere Lebenserwartung hatten. Am Ende des Beobachtungszeitraumes (3-8 Jahre) waren bereits 34,9 % der Männer mit deutlich erniedrigten Testosteronspiegeln verstorben während die Sterblichkeitsquote bei den Männern mit normalen Testosteronspiegeln nur 20,1 % und bei solchen mit wechselnden Testosteronspiegeln (mal niedrig, mal normal) 24,6 % betragen hatte.

Schlussfolgerung: Männer mit einem niedrigen Testosteronspiegel scheinen ein deutlich höheres Sterberisiko zu haben, meist auf Grund eines deutlich höheren kardiovaskulären Risikos gegenüber Männern mit einem normalen Testosteronspiegel. (Quelle: Stores et al: Arch Intern Med 2006,166,1660-1665)

Der Ratschlag des Urologen ist deshalb, dass jeder Mann über 40 Jahre einmal seine Hormone (hier insbesondere Testosteron und DHEA) bestimmen lassen sollte , um rechtzeitig eine Testosteronsubstitutionstherapie zu beginnen bevor es im wahrsten Sinne des Wortes zu spät ist.

Chemotherapie bei frühzeitigem Hodenkrebs (nichtseminomatösem Keimzelltumor) effektiver als Lymphadenektomie

Donnerstag, 05. Juli 2007

In einer großen randomisierten Deutschen Multicenterstudie (Rekrutierungszeitraum bis 2005) wurden Patienten mit nichtseminomatösem Hodenkrebs (syn. Keimzelltumor -Testicular  cancer) im klinischen Stadium I ( mit bildgebenden Verfahren keine Fern-oder Lymhknotenmetatstasen nachweisbar) randomisert entweder mit einer retroperitonealen Lymphadenektomie (operative Entfernung der Lymphknoten entlang der Bauchschlagader bzw. der großen Hohlvene , n=188)) oder mit einem Kurs Polychemotherapie (Cisplation,Etoposid,Bleomycin-PEB , n= 178) behandelt und nachbeobachtet:

Von 331 auswertbaren Patienten in der Nachbeobachtungsphase (follow-up bis 5 Jahre)waren insgesamt 96 % relapsfrei, d.h.,dass klinisch keine Anzeichen für ein Fortschreiten der Krebserkrankung bestanden). Während  in der Gruppe mit Lymphadenektomie 14  (7,5%) Patienten in der Nachbeobachtungsphase Metastasen entwickelten,waren dies in der Polychemotherapiegruppe nur  1,1 %.

Kommentar: Diese große prospektive randomisierte Studie mit Patientengruppen vergleichbaren Risikos demonstrierte eindrucksvoll, dass die generell gut vertragenen Polychemotherapie mit nur 1 Kurs PEB der Lymphadenektomie, welche ja einen sehr großen operativen Eingriff darstellt, deutlich überlegen zu sein scheint und somit wohl die deutlich bessere Alternative für die betroffenen Patienten darstellt.

Quelle: National Cancer Institute : Clinical Trial Results: www.cancer.gov/clinicaltrials/results/testicular0706