Therapie beim Hodentumor (Hodenkrebs)

Die Therapie beim Hodentumor besteht immer in der Entfernung (Semikastratio) des vom Tumor betroffenen Hodens über einen Leistenschnitt. Ist der Tumor bereits in den Hodensack mit infiltriert, was in unserer heutigen Zeit eine absolute Seltenheit darstellt, müssen gleichzeitig der Hodensack (Skrotum) und die Leistenlymphknoten mit entfernt werden.

Da, wie schon eingangs erwähnt, 5-6 % der Männer auch im klinisch unauffälligem anderen Hoden bereits Vorstufen von Hodenkrebs (TIN bzw. pTis) aufweisen wird immer gleichzeitig eine Biopsie aus dem anderen Hoden entnommen. Weist diese Biopsie bei der histologischen Aufarbeitung bereits Vorstufen eines Hodenkrebses auf, dann wird der Hoden noch mit 20 Gy bestrahlt.

Das weitere Vorgehen nach der Hodenentfernung hängt von der endgültigen Histologie des Tumors ab, welche vom Pathologen geliefert wird. Prinzipiell unterscheidet sich das Vorgehen zwischen den Seminomen und Nichtseminomen:

Seminome:

Circa 15-20 % aller Seminome im klinischen Stadium I haben subklinische Metastasen, meist im Retroperitoneum (Lymphknotenstationen) , sodass es zu einem Fortschreiten des Tumorleidens käme, wenn die Therapie in der alleinigen Hodenentfernung bestünde. Es bestehen nun generell folgende Optionen für den Seminompatienten nach der Hodenentfernung:
Radiotherapie (Bestrahlung): Durch die Bestrahlung der paraaortalen Lymphknoten mit insgesamt 20 Gy kann die Relapsrate von 15-20 % auf 1-3 % gesenkt werden.
Surveillance (Nachbeobachtung): Diese besteht in der regelmäßigen Durchführung Bild gebender Verfahren wie Sonographie und Computertomographie. Wie schon erwähnt muss bei diesem Vorgehen in 15-20% mit dem Neuauftreten von retroperitonealen Lymphknotenmetastasen gerechnet werden, welche dann entweder mittels Bestrahlung oder Chemotherapie behandelt werden.
Adjuvante Chemotherapie: Hier wird nur ein Behandlungszyklus mit Carboplatin durchgeführt, welcher allgemein gut vertragen wird. Die Relapsrate nach diesem Verfahren ist mit 1-3 % der der Strahlentherapie vergleichbar.
Eine retroperitoneale Lymphadenektomie (operative Entfernung der Lymphknoten) wird bei Seminomen allgemein nicht durchgeführt.

Nicht-Seminome:

Bis zu 30 % der Patienten mit Nichtseminomen im klinischen Stadium I haben okkulte, also mittels Bild gebender Verfahren zum Zeitpunkt der Hodenentfernung noch nicht nachweisbare Lymphknoten- oder Fernmetastasen. Generell haben die Patienten folgende Optionen nach der Hodenentfernung:
Surveillance (Nachbeobachtung): Regelmäßige Befundkontrollen der Tumormarker sowie mittels Bild gebender Verfahren (Sonographie/CT). Patienten ,die sich für dieses Vorgehen, entscheiden, haben folgende Wahrscheinlichkeiten eines Tumorfortschreitens: nach 1 Jahr 8 %, nach 2 Jahren 12 %, im dritten Jahr dann weitere 6 %,in den nächsten Jahren dann nur noch 1 %.
Adjuvante Chemotherapie: Allgemein werden 2 Kurse einer Cisplatin haltigen Chemotherapie gegeben ,meistens in Kombination mit Etoposide und Bleomycin. Hierunter kommt es meist noch nicht zu einer Beeinträchtigung von Fertilität und Potenz.

Retroperitoneale Lymphknotenentfernung (retroperitoneale Lypmhadenektomie –RLA):

Dieser Eingriff wird entweder offen chirurgisch durchgeführt, wobei hier ein großer Längsschnitt vom Brustbeinende bis zur Schambeinfuge erfolgen muss, oder aber endoskopisch-laparoskopisch (sog. Schlüssellochchirurgie). Entfernt werden die Lymphknoten der primären Lymphknotenstationen - beim rechtsseitigen Hodenkrebs vor der Hohlvene (Vena cava) und beim linksseitigen Hodenkrebs vor und neben der Bauchschlagader (Aorta).Zu früheren Zeiten bestand das Hauptproblem dieses Eingriffes in der Tatsache , dass die so mit einer Lymphknotenentfernung behandelten Patienten oft unfruchtbar wurden, da die Nervenbahnen, welche beim Mann den Samenerguss (Ejakulation) vermitteln, direkt vor der Bauchschlagader verlaufen. Durch so genannte Nerven schonende (Ejakulation erhaltende) Operationstechniken kommt diese für die jungen Männer gravierende Komplikation in geübten Händen nur noch selten vor.

Therapie des metastasierendern Hodentumors (Hodenkrebs):

Bestehen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ,also wenn der Patient erstmals einen Arzt aufsucht, bereits Metastasen, welche in den Bild gebenden diagnostischen Verfahren (CT, Kernspintomographie, Röntgenaufnahme der Lunge) bereits sichtbar sind, so wird nach der Hodenentfernung sowohl beim Seminom als auch beim Nichtseminom zunächst eine Polychemotherapie durchgeführt. Das weitere Vorgehen (z.B. operative Entfernung von noch sichtbaren Metastasen oder erneute Chemotherapie mit anderen Substanzen) richtet sich dann nach den jeweiligen Befunden, d.h. nach dem Verhalten der Tumormarker und den Befunden im Computertomogramm bzw. Kernspintomogramm.

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