Patienten , bei welchen ein Hodenkrebs (Hodenkarzinom) erfolgreich durch einseitige Hodenentfernung (Semikastration) mit/ohne nachfolgende Cisplatin/Carboplatin Chemotherapie behandelt worden ist, zeigen häufig psychische oder hormonelle (endokrine) Langzeitnebenwirkungen, wie eine jetzt aktuell in Eur Urol. publizierte große Studie aus Polen mit insgesamt 326 Männern (darunter 269 mit Chemotherapie behandelt) zeigt (Wiechno,P et al,Eur Urol 2007, 52, 1448-1455)
Danach zeigten 49-55% Veränderungen der aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgeschütteteten Hormone FSH bzw. LH und 15 % litten an einem Testosteronmangel. Zusätzlich gaben 40 % ! der im Median nur 37 Jahre alten Männer (18-72 Jahre) deutliche Erektionsstörungen an, eine ungewöhnlich hohe Anzahl bezogen auf das noch relativ junge Alter der untersuchten Gruppe. Zwischen 26 und 28 % der Männer berichteten über Angstzustände ,während 15-18 % in den jeweiligen Depressions-Fragebögen Werte erreichten ,die die aktuelle Präsenz einer Depression nahelegten.
Eigener Kommentar: Diese Studie zeigt eindrucksvoll wie schon andere Studien aus der Vergangenheit auch , dass junge Männer mit Hodenkrebs oftmals an Langzeitfolgen, und hier insbesondere an hormonellen und sexuellen Störungen sowie depressiven Verstimmungen leiden, auch wenn sie von dem Hodenkrebs erfolgreich geheilt wurden.
Eigener Ratschlag: auch wenn die so genannte 5-Jahres(Heilungs)frist bereits erreicht worden ist sollten Männer mit Hodentumor regelmäßig einmal im Jahr ihren Urologen aufsuchen, um dort entsprechende Hormonanalysen durchführen und sich bei entsprechenden Störungen helfen zu lassen . Dies gilt auch für die häufig auftretenden Sexualstörungen bei diesen Patienten, welche meist immer erfolgreich medikamentös behandelt werden können.