Die Daten von 175.000 in England lebenden Männern > 45 Jahre , welche wegen eines akuten Harnverhalts (Unfähigkeit Urin zu lassen) zwischen den Jahren 1998 - 2005 in ein englisches Krankenhaus eingeliefert wurden, ergab folgende alarmierende Ergebnisse (Armitage,J.N.: Mortality in men admitted to hospital with acute urinary retention: database analysis. BMJ 2007 publiziert 8.11.2007 online):
Insgesamt verstarben 15 % aller Männer mit spontanem Harnverhalt sowie 25 % aller Männer mit akutem Harnverhalt bei bekanntem direkten Auslösemechanismus innerhalb eines Jahres nach diesem Ereignis.Noch dramatischer liest sich die Tatsache, dass über die Hälfte(55 %) aller dieser Todesfälle sich innerhalb von 90 Tagen nach dem akuten Harnverhalt ereigneten.
Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung war das das relative Sterblichkeitsrisiko in der Altersgruppe 45-54 Jahren am deutlichsten erhöht: Die Männer mit spontanem Harnverhalt hatten ein 10fach (!!) und die mit bekanntem Auslösemechanismus für den Harnverhalt ein 24 fach (!!!!) höheres Mortalitätsrisiko.
In der höchsten Alterstgruppe (75-84 Jahre) war das Sterblichkeitsrisiko nach akutem Harnverhalt am größten : 44,3 % der Patienten mit akutem Harnverhalt sowie 54,7 % derer mit bekanntem Auslösemechanismus verstarben innerhalb eines Jahres nach diesem Ereignis !!
Die Ursachen für diese ungewöhnlich hohen Mortalitätsraten sind in den Einzelheiten ungeklärt, vermutet werden insbesondere bei den Männern, bei welchen ein direkter Auslöser für den Harnverhalt identifiziert werden konnte , andere Begleiterkrankungen und Risikofaktoren.
Schlussfolgerungen der Autoren:
Diese riesige Serie mit über 170 000 Männern mit akutem Harnverhalt offenbart ein in dieser Größenordnung nie berichtetes und und nie bekanntes hohes Mortalitäts-(Sterblichkeits)risiko innerhalb eines Jahres, auch für jüngere Männer (45-54 Jahre).Die sich daraus ergebende Schlussfolgerung der Autoren ist naturgemäß, dass alle Männer mit akutem Harnverhalt unbedingt auf weitere Risikofaktoren untersucht werden müssen, insbesondere was das Herzkreislaufsystem angeht.
Eigener Kommentar
Da bekannt ist, dass Männer mit Miktionsstörungen (Schwierigkeiten beim Urinieren) im weiteren Verlauf nicht selten einen akuten Harnverhalt erleiden, wenn diese Miktionsstörungen vorher nicht behandelt worden sind, sollten alle Männer, welchen Veränderungen beim Urinieren auffallen (Nachträufeln ,abgeschwächter Harnstrahl , nächtliches Urinieren, plötzlich überschießender Harndrang mit sofortiger Notwendigkeit, die Toilette aufzusuchen, unwillkürlicher Urinverlust , gehäuftes Urinieren etc.) unbedingt einen Urologen aufsuchen. Nur der Urologe kann durch einfache Untersuchungsmaßnahmen (Ultraschall mit Größenbestimmung der Prostata, Restharnbestimmung ,Messung der Harnstrahlstärke etc.) feststellen, wie weit fortgeschritten die Störung/Erkrankung ist und welche Ursachen dafür verantwortlich sind, um dann rechtzeitig eine entsprechende, ursachenorientierte Therapie einzueiten . Meist kann man durch geeignete Medikamente (so genannte alpha Blocker oder alpha Reduktasehemmer) einen akuten Harnverhalt verhindern und den meisten Patienten eine Prostataoperation ersparen vorausgesetzt, die Behandlung wird frühzeitig begonnen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Männer ab dem 40.-45. Lebensjahr regelmäßig einmal im Jahr einen Urologen aufsuchen.