Erstmals konnte eine Forschergruppe der Universität Chicago nachweisen, dass zuviel Testosteron eher schädlich für die Gehirnleistung des älteren Mannes ist (Maki,P.M. et al: Intramuscular testosterone treatment in elderly men: evidence of memory decline and altered brain function. J.Clin. Endocrinol. Metab. 2007,92,No11, 4107-4114):
In einer randomisierten, doppel-blinden und placebo-kontrollierten Studie wurden 15 ältere Männer (66-86 Jahre) mit normalen kognitiven Leistungen in einem cross- over Design für jeweils 90 Tage mit 200 mg Testosteronenathat intramuskulär alle 2 Wochen oder mit Placebo behandelt. Zwischen den beiden Behandlungsphasen wurde eine 90 Tage wash-out Phase zwischengeschaltet.
In den Testergebnissen (standardisierter verbaler Gedächtnistest sowie Messung der Gehirnaktivität mittels Positron Emissionstomographie (PET) zeigten die Männer deutliche negative Veränderungen während sie unter dem Einfluss der Testosteron-behandlung waren, hingegen nicht während der Placebophase. Während der Behandlung mit Testosteron stiegen die im Blut gemessenen Testosteronwerte um 241 % auf supraphysiologische Konzentrationen an.
Eigene Anmerkung: Dies ist die erste Studie mit einem einwandfreien wissenschaftlichen Design (Wissenschaftlicher Level of Evidence: 1b !), welche erstmals auf die Gefahren einer Testosterontherapie bezüglich einer negativen Beeinflussung von Hirnleistungsfunktionen hinweist. Die eigenen zahlreichen Erfahrungen aus der Sprechstunde zeigen dabei, dass viele Männer von ihren Ärzten auf viel zu hohe Testosteronkonzentrationen eingestellt werden, welche oftmals weit über die Obergrenzen des Normalbereichs hinausgehen, v.a. in den ersten Wochen nach intramuskulärer Anwendung von Testosteronpräparaten. Ähnliches trifft übrigens auch auf die Dihydrotestosteron(DHT)spiegel zu, insbesondere wenn mit Testosterongelen behandelt wird.
Da die Langzeitwirkungen solcher zu hoch eingestellter Testosteronspiegel nicht bekannt sind und durchaus negative Konsequenzen haben können, wie diese Studie zeigt , sollten bei einer Testosterontherapie insbesondere in der initialen Behandlungsphase die Testosteronkonzentrationen im Blut regelmäßig kontrolliert und die Dosis bzw Applikationsart entsprechend angepasst werden. Denn bei der Therapie mit Testosteron scheint zumindest für die Gehirnleistungen nicht das Sprichwort zuzutreffen ,viel hilft viel , sondern viel macht blöd. Auch die Doping-/Bodybuildnerszene, wo die missbräuchliche Anwendung von Testosteronpräparaten weit verbreitet ist sollte die Ergebnisse dieser brandaktuellen Studie beherzigen.