Infektionen von Nebenhoden/Hoden als Ursache einer Infertilität
Eine Reihe von verschiedenen Bakterien und Viren können zu schweren Entzündungen von Nebenhoden und Hoden und damit zu einer irreversiblen Störung der Fruchtbarkeit führen. Sowohl im Kindesalter als auch beim Erwachsenen befällt im Rahmen einer Mumps (Ziegenpeter)-Erkrankung, das Virus auch gerne den Hoden und kann dann zu einer schweren Hodenentzündung (Orchitis) mit nachfolgender kompletter Schrumpfung eines oder beider Hoden führen.
Im frühen Erwachsenenalter führen oftmals Chlamydien zu einer Entzündung der Harnröhre (Urethritis) und nachfolgend auch der Nebenhoden/Hoden. Im späteren Erwachsenenalter sind es dann oft die zu Blasenentzündungen führenden typischen Bakterien wie z.B. Colibakterien, welche dann auch gleichzeitig zu einer Entzündung von Nebenhoden/Hoden führen können oder aber auch wesentlich seltener spezifische Infektionen wie Tuberkulose oder Syphylis.
Nur bei frühzeitiger testgerechter antibiotischer Behandlung gelingt es oftmals konservativ, die Entzündung einzudämmen. Ist es erst einmal zu einer starken Schwellung und Rötung des Nebenhodens und/oder Hodens mit hohem Fieber gekommen, so bleibt oftmals nur noch die operative Entfernung von Nebenhoden und Hoden als ultima Ratio übrig.
Bei entzündlichem Befall beider Nebenhoden kann es durch Ausbildung von narbigen Veränderungen zu einer Verklebung/Obstruktion der aus dem Nebenhodenschwanz führenden Samenleiter (Ductus deferens) kommen, sodass dann eine komplette sog. obstruktive Azoospermie vorliegt. In diesem Falle kann durch sog. mikrochirurgische Refertilisierungsoperationen das nicht mehr durchgängige Samenleiterstück ausgeschaltet werden, indem dieses entweder entfernt und die Samenleiterenden end zu end wieder miteinander verbunden werden (sog. Vasovasostomie) oder aber das Samenleiterende direkt am Nebenhodenkopf mit einem Nebenhodenkanälchen verbunden wird.(sog.Vasoepididymostomie)
Prinzipiell können viele Infekte, welche an sich ganz andere Organsysteme befallen, zu einer vorübergehenden oder auch längeren Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit bis hin zur kompletten Azoospermie (komplettes Fehlen von Spermien) führen, was auch immer wieder z.B. bei Masern beobachtet wird. Mit Abklingen des Infektes kommt es dann meist auch wieder zur Erholung der Spermienproduktion.