Klinische Untersuchung des Prostatakrebses - PSA-Test (Prostataspezifisches Antigen)

Bei dem PSA handelt es sich um eine Glykoprotein-Serin-Protease, die in den Drüsenzellen der Prostata gebildet wird und dessen biologische Funktion u.a. darin besteht, das Sperma (Seminalplasma) flüssig zu machen.

Der Name Prostata spezifisches Antigen geht auf Wang zurück, der 1979 erstmals ein Gewebe (Prostata)spezifisches Antigen aus der Prostata isolierte.1980 wurde das PSA erstmalig quantitativ von Papsidero gemessen und kurz danach war es Stamey aus den USA , der den  klinischen Nutzen des PSA als Tumormarker zum Erkennen eines  Prostatakarzinoms hervorhob.

PSA wird sowohl von normalen als auch von gutartig vergrößerten oder aber . bösartig entarteten Prostatazellen produziert (exprimiert) und einerseits in das Seminalplasma andererseits in die Blutbahn abgegeben. Die Konzentrationen im Sperma sind dabei ca. 1000mal höher als im Blut.

Im Blut (Serum) ist das PSA größtenteils gebunden an den so genannten Proteinaseinhibitor alpha 1 Antichymotrypsin , ein kleiner Teil des PSA liegt in freier Form ( f PSA bzw. freies PSA). Beides zusammen, das freie PSA und das an alpha Chymotrypsin gebundene PSA ergeben das totale PSA (Gesamt PSA)

Bei der routinemäßigen PSA-Bestimmung beim Arzt wird zunächst nur das totale PSA (Gesamt PSA) gemessen
Das Ausmaß der PSA - Exprimierung ist dabei einerseits genetisch gesteuert andererseits unterliegt es aber  auch hormonellen Einflüssen:
Die männlichen Geschlechtshormone Testosteron und Dihydrotestosteron stimulieren (steigern) die PSA- Exprimierung ebenso wie Krankheitsprozesse, welche die Gewebebarriere zwischen Drüsenlumen und Gefäßen durchlässiger machen. Dies ist z.B. der Fall, wenn Entzündungen  der Prostata (Prostatitis)  , Harnwegsinfekte oder aber auch eine Entartung (Prostatakrebs) vorliegen. Dann gelangt wesentlich mehr PSA in den Blutkreislauf, die PSA-Werte steigen dann bisweilen dramatisch an.

Das bereits Gesagte zeigt schon, dass der PSA-Wert keinesfalls spezifisch für die Diagnose Prostatakrebs ist. Es gibt durchaus die Situation, dass bei akuten Prostata-oder Harnwegsinfekten die PSA-Werte vorübergehend um das 5 – 10 fache (bis auf 30 – 50 ng/ml) ansteigen.
Auch  bei großen gutartigen Prostatavergrößerungen (sog. Prostataadenome) sind erhöhte PSA- werte (meist zwischen 3 und 15, selten bis 30 ng/ml) möglich, wobei die Höhe des absoluten PSA-Wertes dann entscheidend von der Größe der Prostata abhängig ist (siehe hierzu auch  Kapitel PSA-dichte).

Insbesondere ab einer Prostatagröße von ca. 50 ccm (Die Prostatagröße kann beim Urologen leicht mittels  Ultraschall bestimmt werden) korrelieren die PSA-Werte mit der Größe der Prostata, wobei in der Urologischen Praxis immer wieder gutartige Prostatavergrößerungen (Prostataadenom) von 120 – 200 ccm mit PSA-Werten von 8 – 30 ng/ml vorkommen.

Trotz dieses relativen Mangels an Spezifität des PSA-Wertes, insbesondere was den Messbereich 3-10 ng/ml betrifft, ist dis PSA-bestimmung nicht mehr aus der Diagnostik des Prostatakarzinoms und insbesondere aus der weiteren Verlaufsbeobachtung beim Prostatakarzinom nach eingeleiteter Therapie wegzudenken, wie immer sie auch geartet ist,.

Mit der routinemäßigen Anwendung des 1980 erstmals eingeführten  PSA-Testes Mitte/Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre  kam es zu einer quasi explosionsartigen Zunahme neu diagnostizierter Prostatakrebse. Publikumswirksame Maßnahmen, wie die Widmung einer Briefmarke  dem Prostatakrebs in den  USA, verfehlten nicht ihr Ziel: Alleine zwischen 1986 und 1991 kam es zu einer Zunahme neu diagnostizierter und behandelter Prostatakrebse von 82 %. Dies hatte zweierlei Auswirkungen (eine positive und eine negative) auf das weitere Geschehen:

1. wurde die Mehrzahl der auf Grund des PSA Screenings neu diagnostizierten Prostatakrebse heilbar, sodass mittlerweile 65-80 % aller heutzutage diagnostizierter Prostatakrebse im Stadium 1 bzw. 2 und damit heilbar sind (bis in die 70 er Jahre, also vor der PSA-Ära war das Verhältnis genau umgekehrt!)

2. Die Kehrseite der Medaille aber ist, dass  heutzutage viel zu viele  klinisch irrelevante Prostatakrebse operiert werden, welche für den Betroffenen nie lebensbedrohlich geworden wären ( aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass 30-40 % aller derzeit operierten Prostatakarzinome darunter fallen).Da sowohl die radikalchirurgische Entfernung der Prostata als auch die Strahlentherapie nicht selten  erhebliche Beeinträchtigungen für den Einzelnen nach sich ziehen, insbesondere was die Sexualität , seltener die Kontinenz angeht, sollten diese Zahlen zum Nachdenken Anlass geben. Ganz abgesehen von den hohen Kosten, welche  die zu viel operierten/bestrahlten Patienten dem Gesundheitswesen jährlich verursachen.

Verschlimmert wird diese Situation noch durch die Tatsache, dass in den letzten Jahren die so genannten Cut-off-Werte für das PSA (Wert ,ab welchem die Wahrscheinlichkeit für einen Prostatakrebs deutlich ansteigt)  von ehemals 4 ng/ml auf 2,5 – 3 ng/ml gesenkt wurden, so dass damit  noch mehr klinisch insignifikante Prostatakrebse operiert werden mit all den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Sexualität.

Diese Senkung der PSA-Cut-off Werte von ehemals 4 ng/ml auf 2,5-3 ng/ml rührt von der so genannten Prostate Cancer Prevention  Studie her, der größten, über 7 Jahre angelegten Langzeitstudie, in welcher über 18.000 Männer eingeschlossen wurden , bei welchen PSA-Werte, rektale Palpation der Prostata und Prostatabiopsien zu Beginn und am Ende der Studie ,also  7 Jahre danach, durchgeführt wurden und die Ergebnisse der beiden Therapiegruppen (Placebo versus Finasteride) verglichen wurden.

Bei dieser Studie zeigte sich, dass auch Männer mit PSA-Werten zwischen 0,5 – 4 ng/ml durchaus ein Prostatakarzinom aufweisen können ,wenn man bei ihnen Gewebeproben aus der Prostata (so genannte Prostatastanzbiopsien) entnimmt.

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