Archiv für den Monat November 2007

Varikozele (Krampfadern des Hodens)

Mittwoch, 14. November 2007

Als Varikozele bezeichnet man die krampfaderähnliche Erweiterung/Schlängelung der Hodenvenen im Samenstrang (Plexus pampiniformis). Die Varikozele ist die häufigste Erkrankung im Bereich des Hodens und man findet sie in 10-20 % aller Männer.

Auf Grund der unterschiedlichen Abflussverhältnisse beider Hoden (die Hodenvene des linken Hodens münden rechtwinklig in die linke Nierenvene, die Hodenvene des rechten Hodens hingegen spitzwinklig in die untere Hohlvene), befindet sich die Varikozele bei der klinischen Untersuchung in 80 - 90 % nur auf der linken Seite, in je 5 – 10 % auf der rechten oder aber auf beiden Seiten.

Dieser in den meisten Publikationen zur Varikozele angegebenen Seitenverteilung widerspricht allerdings eine jüngst im Lancet publizierte Arbeit. Nach dieser zeigten von 255 infertilen Patienten mit Varikozele bei der Duopplersonographie und Venographie 17,6 % eine einseitig linksseitige, 1,5 % eine einseitig rechtsseitige und 80,8 % eine beidseitige Varikozele (Evers,J. et al: Assessment of efficacy of varicocele repair for male subfertility: a systematic review. Lancet 361,1849-1852,2003).

Den Autoren zufolge wären bei der rein körperlichen Untersuchung 10 % der linken und 90 % der rechten Fälle unentdeckt geblieben. Erst durch den Einsatz von Dopplersonographie und Venographie konnte nachgewiesen werden, dass es sich bei der Varikozele letztendlich meist um eine beidseitige Erkrankung handelt.

Generell unterscheidet man drei Schweregrade der Varikozele (I-III), wobei eine ausgeprägte Varikozele (III) meist auch mit einer Verkleinerung des Hodens (Hodenatrophie einhergeht. Eine Varikozele tastet/sieht man am besten im Stehen bei gleichzeitiger Betätigung der Bauchpresse (sog. Valsalva-Manöver), wobei dann die zu Krampfadern erweiterten Hodenvenen zwischen den Hodensack umfassenden Fingern sich wie ein wurmförmiges Knäuel anfühlen.

Von einer subklinischen Varikozele spricht man, wenn man zwar klinisch keine Krampfadern im Hodensack tasten kann, man aber mit Hilfe der Doppler-/Duplexsonograhie unter Betätigung der Bauchpresse (Valsalva-Manöver) einen Rückstrom in die Hodenvenen nachweisen kann.

Die wissenschaftliche Literatur zur Varikozele füllt mittlerweile schon ganze Bibliotheken und bis zum heutigen Tage streiten sich die Wissenschaftler ob die Behandlung einer klinisch manisfesten Varikozele bzw. einer sog. subklinischen Varikozele bei Unfruchtbarkeit (Infertilität) überhaupt in der Lage ist, zu einer Verbesserung der Fruchtbarkeit und damit zur ersehnten Schwangerschaft zu führen.

Auch eine erst jüngst zum Thema Varikozele durchgeführte Literaturrecherche – der sog. Cochrane Review (Ficarra, V. et al: Treatment of Varicocele in subfertile men: The Cochrane review- A contrary opinion. Eur. Urol. 49,258-263, 2006) war nicht in der Lage, die Frage diesbezüglich positiv oder negativ zu beantworten. Sie verwies auf noch andauernde prospektive Studien, betonte aber gleichzeitig, dass das, was die Literatur derzeit zum Thema Varikozele hergibt, nicht dazu benutzt werden kann eine Therapie der Varikozele bei Männern mit eingeschränkter Fruchtbarkeit (Infertilität) als unnütz abzulehnen.

Insgesamt spricht vieles in der Literatur dafür, dass je ausgeprägter eine Varikozele ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit(Infertilität) ist, will heißen, dass subklinische Varikozelen normalerweise eher nicht zu klinisch relevanten Beeinträchtigungen der Fertilität führen (Nagle,H.M.: Editorial Comment: Varicocele: where , why and, if so, how? J. Urol. 172,1239-1240,2004).

Generell teilen die meisten Autoren /Ärzte, so auch der Verfasser dieser Homepage (Prof. Dr. med. Hartmut Porst) die Auffassung, dass Männer, bei welchen ein Kinderwunsch mit nachgewiesener Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit (Infertilität) im Spermiogramm vorliegt und bis auf eine Varikozele keine andere konkurrierende Ursache der Infertilität gefunden wird, einer Behandlung der Varikozele zugeführt werden sollten.

So haben auch verschiedene kleinere Studien bei Patienten mit Azoospermie (keine Spermien im Sperma/Ejakulat nachweisbar) zeigen können, dass durch eine erfolgreiche Behandlung der Varikozele es wieder zur Spermienproduktion und nachfolgend zur Schwangerschaft kommen kann. (Matthews,GJ. et al: Induction of spermatogenesis and achievement of pregnancy after microsurgical varicocelectomy in men with azoospermia and severe oligoasthenospermia. Fertil Steril 70, 71-75,1998. Cakan,M. et al: Induction of spermatogenesis by inguinal repair in azoospermic men. Arch. Androl. 50,145-150,2004).

Bei der kindlichen Varikozele, sind sich die meisten Autoren darin einig, dass diese operativ beseitigt werden soll, wenn diese ausgeprägt ist und bereits zu einer Verkleinerung des Hodens (Hodenatrophie) geführt hat.

Zur Behandlung der Varikozele haben sich verschiedene operative und Verödungsverfahren als gleichwertig erwiesen, was den Behandlungserfolg (etwaige Verbesserung des Spermiogramms und Eintritt einer Schwangerschaft) angeht, Derzeit konkurrieren folgende Methoden in der Behandlung einer Varikozele miteinander und letzten Endes hängt es von der Erfahrung des jeweiligen Operateurs ab, welche Methode er durchführt.

Biologisches Verhalten des Prostatakarzinoms

Dienstag, 13. November 2007

Man weiß mittlerweile, dass je älter wir werden, desto häufiger entstehen in unserer Prostata Areale mit bösartig entarteten Zellen. Diese so genannten Autopsiekarzinome (entartete Areale in der Prostata von an anderen Krankheiten verstorbenen Männer) nehmen mit zunehmendem Alter enorm an Häufigkeit zu.

So entwickeln über 40 % der 50-jährigen ein solches Autopsiekarzinom ,wobei nur bei 9 % dieses klinisch manifest wird und unbehandelt zum Tode führen würde. Wirklich sterben aber nur 3 % ursachenspezifisch an diesem Prostatakrebs, weil zu spät erkannt oder behandelt worden ist. Würde man bei allen 80-jährigen Männern die Prostata in Scheiben schneiden und histologisch untersuchen , so würde man bei 70-80 % dieser Männer Areale mit Prostatakrebs finden.
Bei einer verschwindenden Minderheit dieser alten Männer ist dies aber von klinischer Relevanz.. Derzeit geht man in Deutschland von jährlich 45.000 neu diagnostizierten Fällen an Prostatakarzinom aus, wobei auch heute noch ca. 12.000 jährlich an diesem Malignom versterben.

Auch diese Zahlen belegen:

Die Mehrheit der Männer stirbt mit einem aber nicht wegen einem Prostatakrebs, d.h. dass viele Männer mit Prostatakrebs an anderen Erkrankungen wie z.B  Herzinfarkt, Diabetes, Schlaganfall sterben, um nur einige zu nennen.

Testosteron-Substitutionstherapie beim älteren Mann : Zuviel Testosteron schädigt die Gehirnleistung

Montag, 12. November 2007

Erstmals konnte eine Forschergruppe der Universität Chicago nachweisen, dass zuviel Testosteron eher schädlich für die Gehirnleistung des älteren Mannes ist (Maki,P.M. et al: Intramuscular testosterone treatment in elderly men: evidence of memory decline and altered brain function. J.Clin. Endocrinol. Metab. 2007,92,No11, 4107-4114):

In einer randomisierten, doppel-blinden und placebo-kontrollierten Studie wurden 15 ältere Männer (66-86 Jahre) mit normalen kognitiven Leistungen in einem cross- over Design für jeweils 90 Tage mit 200 mg Testosteronenathat intramuskulär alle 2 Wochen oder mit Placebo behandelt. Zwischen den beiden Behandlungsphasen wurde eine 90 Tage wash-out Phase zwischengeschaltet.

In den Testergebnissen (standardisierter verbaler Gedächtnistest sowie Messung der Gehirnaktivität mittels Positron Emissionstomographie (PET) zeigten die Männer deutliche negative Veränderungen während sie unter dem Einfluss  der Testosteron-behandlung waren, hingegen nicht während der Placebophase. Während der Behandlung mit Testosteron stiegen die im Blut gemessenen Testosteronwerte um 241 % auf supraphysiologische Konzentrationen an.

Eigene Anmerkung: Dies ist die erste Studie mit einem einwandfreien wissenschaftlichen Design (Wissenschaftlicher Level of Evidence: 1b !), welche erstmals auf die Gefahren einer Testosterontherapie bezüglich einer negativen Beeinflussung von Hirnleistungsfunktionen hinweist. Die eigenen zahlreichen  Erfahrungen  aus der Sprechstunde zeigen dabei, dass viele Männer von ihren Ärzten auf viel zu hohe Testosteronkonzentrationen eingestellt werden, welche oftmals weit über die Obergrenzen des Normalbereichs hinausgehen, v.a. in den ersten Wochen nach intramuskulärer Anwendung von Testosteronpräparaten. Ähnliches trifft übrigens auch auf die Dihydrotestosteron(DHT)spiegel zu, insbesondere wenn mit Testosterongelen behandelt wird.

Da die Langzeitwirkungen solcher zu hoch eingestellter Testosteronspiegel nicht bekannt sind und durchaus negative Konsequenzen haben können, wie diese Studie zeigt , sollten bei einer Testosterontherapie insbesondere in der initialen Behandlungsphase die Testosteronkonzentrationen im Blut regelmäßig kontrolliert und die Dosis bzw Applikationsart entsprechend angepasst werden. Denn bei der Therapie mit Testosteron scheint zumindest für die Gehirnleistungen  nicht das Sprichwort  zuzutreffen ,viel  hilft viel , sondern viel macht blöd. Auch die Doping-/Bodybuildnerszene, wo die missbräuchliche Anwendung von Testosteronpräparaten weit verbreitet ist sollte die Ergebnisse dieser brandaktuellen Studie beherzigen.

Sex , Hepatitis und Leberkrebs(Leberkarzinom)risiko

Samstag, 10. November 2007

In einer jetzt im November im renommierten New England Journal of Medicine publizierten Arbeit weist der Autor auf das deutlich erhöhte Risiko , an Leberzellkrebs zu erkranken , bei entsprechend risikobehafteten sexuellen Aktivitäten hin (Wands,J.: Hepatocellular Carcinoma and Sex. NEJM 2007,357, 1974)

Das Risiko, einen (meist unheilbaren) Lebrzellkrebs zu bekommen ist bei Männern generell doppelt so hoch wie bei Frauen.

Typische Risikogruppen für einen Leberkrebs sind alle die Menschen, welche an einer chronischen Hepatitis (Hepatitis =Leberentzündung) B oder C leiden.In diesen Gruppen ist das Leberkrebsrisiko um das 25-30 fache  gegenüber gleichaltrigen Menschen ohne Hepatitis erhöht.

In diesem Zusammenhang ist bekannt dass insbesondere Männer und Frauen mit einem risikobehaftetem Sexleben (häufig wechselnde Geschlechtspartner, ungeschützter Geschlechtsverkehr) ein ungleich höheres Hepatitis B und C Risiko haben als die “Normalbevölkerung”

Die chronische Leberentzündung führt hierbei zu einer Schädigung der Leberzellen, häufig einhergehend mit einem narbig-fibrotischen Leberumbau (Leberzirrhose), welcher die Grundlage für die spätere Entartung ,d.h. Krebsentstehung darstellt.

Schlussfolgerungen:

Bei Auswahl seiner sexuellen Aktivitäten sollte man die etwaigen, damit verbundenen Risiken trotz “purer Lust” nie aus den Augen verlieren. Sex mit unbekannten oder nur flüchtig bekannten Personen ohne Condom  kann fatale Spätfolgen haben, wie diese Arbeit eindrucksvoll einmal wieder zeigt.

Sollte eine Hepatitis A bzw. B vorliegen so sollten

1. Medikamentöse Therapieversuche unternommen werden, um die persistierende HBV bzw. HCV Infektion einzudämmen bzw. auszumerzen  und

2. regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Leber erfolgen 

Männer mit akutem Harnverhalt haben ein deutlich höheres Sterblichkeits(Mortalitäts)risiko

Samstag, 10. November 2007

Die Daten von 175.000 in England lebenden  Männern > 45 Jahre , welche  wegen eines akuten Harnverhalts (Unfähigkeit Urin zu lassen) zwischen den Jahren 1998 - 2005 in ein englisches Krankenhaus eingeliefert wurden, ergab folgende alarmierende Ergebnisse (Armitage,J.N.: Mortality in men admitted to hospital with acute urinary retention: database analysis. BMJ 2007 publiziert 8.11.2007 online):

Insgesamt verstarben 15 % aller Männer mit spontanem Harnverhalt sowie 25 % aller Männer mit akutem Harnverhalt bei bekanntem direkten Auslösemechanismus    innerhalb eines Jahres nach diesem Ereignis.Noch dramatischer liest sich die Tatsache, dass über die Hälfte(55 %) aller dieser Todesfälle sich  innerhalb von 90 Tagen nach dem akuten Harnverhalt ereigneten.

Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung war das das relative Sterblichkeitsrisiko in der  Altersgruppe 45-54 Jahren am deutlichsten erhöht: Die Männer mit spontanem Harnverhalt hatten ein 10fach (!!) und die mit bekanntem Auslösemechanismus  für den Harnverhalt ein 24 fach (!!!!) höheres Mortalitätsrisiko.

In der höchsten Alterstgruppe (75-84 Jahre) war das Sterblichkeitsrisiko  nach akutem Harnverhalt am größten : 44,3 % der Patienten mit akutem Harnverhalt   sowie  54,7 % derer mit bekanntem Auslösemechanismus  verstarben innerhalb eines Jahres nach diesem Ereignis !!

Die Ursachen für diese ungewöhnlich hohen Mortalitätsraten sind in den Einzelheiten ungeklärt, vermutet werden insbesondere bei den Männern, bei welchen ein direkter Auslöser für den Harnverhalt identifiziert werden konnte , andere Begleiterkrankungen und Risikofaktoren.

Schlussfolgerungen der Autoren:

Diese riesige Serie mit über 170 000 Männern mit akutem Harnverhalt offenbart ein  in dieser Größenordnung nie berichtetes und und nie bekanntes  hohes Mortalitäts-(Sterblichkeits)risiko innerhalb eines Jahres, auch für jüngere Männer (45-54 Jahre).Die sich daraus ergebende Schlussfolgerung der Autoren ist naturgemäß, dass alle Männer mit akutem Harnverhalt unbedingt auf weitere Risikofaktoren untersucht werden müssen, insbesondere was das Herzkreislaufsystem angeht.

Eigener Kommentar

Da bekannt ist, dass Männer mit Miktionsstörungen (Schwierigkeiten beim Urinieren) im weiteren Verlauf nicht selten einen akuten Harnverhalt erleiden, wenn diese Miktionsstörungen vorher nicht behandelt worden sind, sollten alle Männer, welchen Veränderungen beim Urinieren auffallen (Nachträufeln ,abgeschwächter Harnstrahl , nächtliches Urinieren, plötzlich überschießender Harndrang mit sofortiger Notwendigkeit, die Toilette aufzusuchen, unwillkürlicher Urinverlust , gehäuftes Urinieren etc.) unbedingt einen Urologen aufsuchen. Nur der Urologe kann durch einfache Untersuchungsmaßnahmen (Ultraschall mit Größenbestimmung der Prostata, Restharnbestimmung ,Messung der Harnstrahlstärke etc.) feststellen, wie weit fortgeschritten die Störung/Erkrankung ist und welche Ursachen dafür verantwortlich sind, um dann  rechtzeitig eine  entsprechende, ursachenorientierte Therapie   einzueiten . Meist kann man durch geeignete Medikamente (so genannte alpha Blocker oder alpha Reduktasehemmer) einen akuten Harnverhalt verhindern und den meisten  Patienten eine  Prostataoperation ersparen vorausgesetzt, die Behandlung wird frühzeitig begonnen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Männer ab dem 40.-45. Lebensjahr regelmäßig einmal im Jahr einen Urologen aufsuchen.

Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit (Infertilität)

Dienstag, 06. November 2007

Eine Vielzahl von möglichen Ursachen können beim Mann zu einer Einschränkung der Fruchtbarkeit (Infertilität) führen und damit einem Kinderwunsch entgegenstehen:

  • Erkrankungen des Hodens als Ursache einer männlichen Infertilität:
  • Hodenhochstand (Kryptorchismus)
  • Varikozele (Krampfadern des Hodens)
  • Hodentumor (Hodenkrebs)
  • Erkrankungen von Nebenhoden und Samenleiter als Ursache einer Unfruchtbarkeit/Infertilitä
  • Genetische Ursachen  – Klinefelter und andere
  • Störungen der Fruchtbarkeit (Infertilität) bei anderweitigen Systemerkrankungen.
  • Iatrogene und Umweltfaktoren
  • Immunologische Faktoren
  • Hormonelle Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit (Infertilität)

Hodenkrebs (Hodenkarzinom) bei Männern > 60 Jahre

Dienstag, 06. November 2007

Obgleich der  Hodenkrebs in den letzten 20 Jahren weltweit eine deutliche Zunahme zeigt ist er immer noch insgesamt selten und kommt in Deutschland bei 10,8 auf 100.000 Männern vor (aktuelle Details siehe unter http://www.porst-hamburg de.

In einer jetzt im Oktober publizierten Serie  berichten die aus England stammenden Autoren  über 50 Männer mit Hodenkrebs im Alter von über 60 Jahren.(Berney,D.M. et al “Malignant germ cell tumours in the elderly: a histopathological review of 50 cases in men aged 60 years or over.Modern Pathology online published 2 Nov.2007) Die Mehrzahl der Männer (82 %) hatten reine Seminome und 18 % sog. Nichtseminome bzw. Mischtumoren, wobei  hier alle histologischen Arten von Hodenkrebs repräsentiert waren. Im Vergleich zu jüngeren Hodenkrebspatienten (Zielaltersgruppe für Hodenkrebs sind 18-25 jährige Männer) zeigten die bei den älteren Männern gefundenen Hodenkrebse ein lokal fortgeschritteneres Stadium mit einer durchschnittlichen Tumorgröße von 6 cm (2-11 cm).

Eigener Kommentar: Diese Serie zeigt, dass auch ältere Männer nicht vom Hodenkrebs  gefeit sind und dass dies nicht Allgemeingut in unserer Bevölkerung ist . Nur so läßt sich erklären, dass bei älteren Männern der Hodenkrebs deutlich größer war als dies normalerweise  der Fall  bei der Zielgruppe der 18-35jährigen Männer ist. Deshalb sollten auch alle Männer über 50 regelmäßig ihre Hoden auf etwaige Unregelmäßigkeiten/Verhärtungen abtasten. Übrigens der älteste persönlich behandelte Hodentumorpatient war 82 Jahre!

Epidemiologie Prostatakrebs bzw. Prostatakarzinom

Montag, 05. November 2007

Der Prostatakrebs (syn. Prostatakarzinom) ist mittlerweile zum häufigsten Männerkrebs weltweit geworden. Wie eine 2002 publizierte Arbeit zeigt ist der Prostatakrebs mittlerweile für 30 % aller männlichen Krebserkrankungen verantwortlich und nimmt unangefochten eine traurige Spitzenposition ein. Das Pendant bei der Frau stellt hier der Brustkrebs dar, der für 31 % aller weiblichen Krebserkrankungen verantwortlich ist.

Nach einer Studie des internationalen Krebsforschungszentrums IARC wurden im Jahre 2006 in den in dieser Studie erfassten 39 Europäischen Länder 3,2 Millionen Fälle (2004: 2,9 Mio.) an neuen Krebserkrankungen diagnostiziert.

Parkin,D.M.: Global Cancer Staistics 2002.CA Cancer J Clin 2005,55,74-108 zeigen, dass einerseits unter den bösartigen Neuerkrankungsfällen beim Mann der Prostatakrebs einsam an der Spitze steht, dass aber andererseits das Prostatakarzinom nur an dritter Stelle steht, was die jährlichen Krebstodesfälle beim Mann angeht. Die Mortalität beträgt nur etwa die Hälfte der Neuerkrankungsfälle.
Aus diesem Grunde gilt auch heute weiterhin der Satz:
Die Mehrzahl der Männer stirbt mit aber nicht an ihrem Prostatakrebs

Auswirkungen des Alters auf die Fruchtbarkeit des Mannes

Freitag, 02. November 2007

Mit zunehmendem Alter kommt es beim Mann zwar zu altersbedingten Veränderungen in den verschiedenen Gewebestrukturen des Hodengewebes und hier vor allem zu einer Verringerung der Zahl der das männliche Geschlechtshormon Testosteron produzierenden Leydigzellen, sodass ab dem 40.-50. Lebensjahr ca. 20 % der Männer an einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) leiden, die Spermiogenese selbst bleibt aber vom Alterungsprozess des Mannes weitgehend unbeeinflusst.

Will heißen, dass bislang für den alternden Mann eine Abnahme der Samenzellparameter und der Funktion nicht belegt ist, sodass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft auch bei Paaren mit älteren Männern und jungen Frauen ähnlich hoch ist wie bei Paaren mit jungen Männern. Allerdings kommt es beim alternden Manne ca. ab dem 50. Lebensjahr zu einer Zunahme struktureller chromosomaler Veränderungen an den Samenzellen und damit zu einem höheren Risiko, dass Kinder älterer Männer eine autosomal dominante Erkrankung bekommen.

Rein aus diesem Grunde hat die American Fertility Society die Empfehlung herausgegeben, dass Samenspender nicht älter als 50 Jahre sein sollten. Allerdings ist das insgesamt seltene Risiko, dass bei einem 50-jährigen Vater das Kind einen genetischen Defekt aufweist nur doppelt so hoch wie bei einem 25 jährigen Vater