In den letzten Jahren sind viele Publikationen erschienen, die allesamt zu dem Ergebnis kamen, dass die so genannte PSA – Velocity (PSA – Anstiegsgeschwindigkeit) bzw. die PSA – Verdoppelungszeit , also der Zeitraum, in welchem sich der PSA – Wert verdoppelt, ein entscheidendes Kriterium dafür ist, ob
1. ein Prostatakarzinom mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegt und
2. welche Prognose der Patient hat.
Insbesondere die PSA-Velocity bzw. Verdoppelungszeit das Jahr vor der Diagnosestellung Prostatakrebs hat einen Einfluss auf die Prognose.
Über das langfristige Verhalten des PSA-Wertes bei Patienten ohne Prostatakrebs und solchen, bei denen sich über die Zeit ein Prostatakarzinom entwickelt, gibt eine groß angelegte Studie aus Tirol Aufschluss (Quelle: Berger et al: Longitudinal changes in men with and without prostate cancer: assessment of prostate cancer risk. Prostate 2005, 64, 240 – 245) :
bei 2.815 Einwohnern des österreichischen Bundeslandes Tirol wurden über einen Zeitraum von 10 Jahren insgesamt 32.661 PSA – Bestimmungen durchgeführt. Bei 353 Männern, bei welchen über einen Zeitraum von mindestens 6 Jahren das PSA bestimmt worden war und bei welchen dieser entweder angestiegen oder der Tastbefund der Prostata verdächtig war , wurde stanzbioptisch ein Prostatakarzinom festgestellt. Kriterium zur Durchführung einer Prostatabiopsie waren u.a. entweder ein Anteil an freiem PSA von 22 % bzw. ab 1995 von 18 % oder ein Gesamt PSA von > 10 ng/ml.
[Abbildung wird noch nachgereicht]
Wie die Abb. 8 eindrucksvoll belegt kommt es bei der Entwicklung eines Prostatakarzinoms zunächst in den ersten Jahren zu einem linearen Anstieg des PSA-Wertes , der dann in einen exponentialen Anstieg ausmündet.
Abb.8: PSA-Anstieg bei Patienten mit sich entwickelndem Prostatakarzinom (rote Kurve) im Verlauf von 10 Jahren vor der Diagnosestellung und bei Männern gleichen Alters , bei welchen sich kein Prostatakrebs entwickelte (blaue Kurve).Ergebnisse der so genannten Tiroler PSA-Studie (siehe Text)
(Quelle: Berger et al: Longitudinal changes in men with and without prostate cancer: assessment of prostate cancer risk. Prostate 2005, 64, 240 – 245)
Bis vor kurzem wurden PSA-Anstiegszeiten von 0,75 ng/ml/Jahr als verdächtig auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms angesehen, wenn diese über 2-3 Jahre bestanden.
In einer 2007 publizierten Arbeit wurden die alterskorrelierten PSA-Werte und insbesondere die PSA-Velocity anhand einer riesigen Datenbasis analysiert
(Quelle: Moul,J.W. et al: Age adjusted prostate specific antigen and prostate specific antigen velocity cut points in prostate cancer screening.J Urol 2007,177,499-504):
In der Datenbasis des Duke Prostate Center waren 33.643 Männer gespeichert, wovon 11.861 Männer 2 oder mehr PSA-Messungen innerhalb von 2 Jahren hatten.
Die Prävalenz (Häufigkeit) des Prostatakrebses war in dieser großen Beobachtungsserie wie folgt:
50-59 Jahre: 8 % (n=273)
60-69 Jahre: 14,9 % (n=659)
> 70 Jahre: 17,9 % (n=722)
Parameter
50-59 J.
PCA - PCA +
60 – 69 J
PCA - PCA +
> 70 Jahre
PCA - PCA +
Median PSA
1,1 5,6
1,6 6,4
2,4 8,1
Median PSAV
0,18 1,37
0,25 1,5
0,37 1,86
Tab.8: Alterskorrelierte Medianwerte für Gesamt PSA und PSA-Velocity (PSAV)
Bei Patienten ohne (PCA -) und mit (PCA +) Prostatakarzinom.
(Quelle: Moul,J.W. et al:.J Urol 2007,177,499-504)
Auf Grund ihrer Ergebnisse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass insbesondere in der jüngeren Altersgruppe 50-59 Jahre bei PSA-Cut-off Werten von 4 ng/ml und Cut-off Werten der PSA-Velocity von 0,75 ng/ml das Risiko auf das Vorhandensein auf einen Prostatakrebs eindeutig unterschätzt wird. Die Autoren empfehlen deshalb, dass bei jüngeren Männern (< 60 Jahre) folgende Cut-Off Referenzwerte zur Entscheidungsfindung , ob eine Prostatabiopsie durchgeführt werden soll oder nicht, genommen werden sollen:
Männer < 60 Jahre
Gesamt PSA- Cut - off Wert : 2 ng/ml
PSA-Velocity: 0,4 ng/ml/Jahr.
Schließlich wurden jüngst die Daten einer großen Prostatatakrebs - Screening Studie publiziert , an welcher 13.276 Männer teilgenommen hatten, von denen wegen Überschreitens des festgesetzten PSA-cut-off Wertes 1.851 einer Prostatabiopsie unterzogen worden waren ,wobei schließlich bei 894 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiert worden ist. (Quelle: Yu,X et al: The Association between total specific antigen concentration and prostate specific antigen velocity.J.Urol. 2007, 177,1298 – 1302) Die Autoren konnten dabei einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den gemessenen PSA-Gesamtwerten und der PSA-Velocity pro Jahr feststellen:
Gesamt-PSA-Wert
PSA-Velocity > 2 ng/ml/Jahr
< 2,5 ng/ml
1 %
2,6 – 4,0 ng/ml
14 %
4,1 – 10 ng/ml
31 %
> 10 ng/ml
74 %
Tab: 9: Verhältnis Gesamt-PSA-Wert und PSA-Velocity > 2ng/ml.
(Quelle: Yu,X et al, J.Urol. 2007, 177,1298 – 1302)
Die Autoren konnten dabei zeigen, dass eine PSA-velocity > 2 ng/ml/Jahr mit einer erhöhten Prostatakrebssterblichkeit einhergeht.