Insemination: bei der Insemination werden die aus dem Sperma aufbereiteten Spermien zum Zeitpunkt des Eisprunges (Ovulation) der Frau mittels eines dünnen Katheters direkt in die Gebärmutter eingebracht. Für die von allen reproduktionsmedizinischen Methoden technisch am einfachsten und kostengünstigsten durchführbare Insemination kommen aber nur die Fälle in Betracht, bei welchen nur leichte Störungen der männlichen Fruchtbarkeit mit einer für diese Methode noch ausreichenden Spermienzahl (> 5-10 Mio./ml) vorliegen. Bei der Insemination findet die Befruchtung auf natürlichem Wege also im Mutterleib statt.
In Vitro-Fertilisation: bei dieser Methode muss vorab immer eine hormonelle Stimulation der Frau erfolgen, durch welche es zum gleichzeitigen Heranreifen mehrerer befruchtungsfähiger Eizellen kommt. Die hierfür erforderlichen Hormone spritzen sich die Frauen mittels eines kugelschreiberähnlichen Injektionspens selbst. Das Heranreifen der Eizellen wird mittels Ultraschall überwacht, wobei dann die befruchtungsfähigen Eizellen mittels einer Nadel durch die Scheide aus den Eierstöcken (Ovarien) abgesaugt werden. Die gewonnenen Eizellen (je nachdem 2-5 Eizellen) werden dann mit den aufbereiteten Samenzellen in einer Reagenzschale zusammengebracht, wo dann die Befruchtung einer oder mehrerer Eizellen erfolgt. 2-3 Tage nach der Befruchtung werden dann die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter mittels eines Katheters eingebracht.
In prospektiven Studien hat sich hierbei gezeigt, dass bei Frauen unter 40 Jahren die Insemination von 4 und bei Frauen über 40 Jahren von 5 befruchteten Eizellen (Oocyten) die optimale Anzahl ist (Barclay,L. et al, Fertil Steril 84,1406-1410,2005, Ginsburg,E. et al, Fertil Steril 84,1637-1642,2005). Wurden bei Frauen über 40 weniger als 5 Embryos transferriert, betrug die Schwangerschaftsrate 19,1 % und die Baby take home Rate nur 4,3 %. Wurden hingegen 5 Embryos transferriert, stieg die Schwangerschaftsrate auf 40,1 % und die Baby take home Rate auf 22,6 % an. Bei mehr als 5 transferrierten Embryos lagen die korrespondierenden Zahlen bei 47,4 % und 22,3 % (Ginsburg,E. et al, Fertil Steril 84,1637-1642,2005).
In Deutschland ist allerdings per Gesetz nur der Transfer von maximal drei Oocyten erlaubt. Die Invitro-Fertilisation kommt bei schwereren Formen der männlichen Infertilität sowie bei den verschiedenen Formen der weiblichen Infertilität wie z.B nicht durchgängige Eileiter auf Grund von früheren Entzündungen/Verwachsungen oder Endometriose zur Anwendung.
Intracytoplasmatische Spermieninjektion: auch bei dieser Methode erfolgt vorab eine hormonelle Stimulation der Frau mit nachfolgender transvaginaler Aspiration der befruchtungsfähigen Eizellen. Im Gegensatz zur In-Vitro Fertilisation wird bei dieser Methode nur eine Spermienzelle direkt mit einer Spezialkanüle in die Eizelle injiziert, das weitere Vorgehen entspricht dem bei der In-Vitro Fertilisation beschriebenen Verfahren. Die technisch am aufwendigsten und kostspieligsten Methode der intracytoplasmatischen Spermieninjektion ist vor allem Fällen mit schwerer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit (Spermienzahl < 5 Mio./ml, keine oder stark eingeschränkte Beweglichkeit etc) vorbehalten.
MESA (mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration) und TESE (testikuläre Spermienextraktion) werden dann angewendet wenn eine Azoospermie vorliegt, also im Ejakulat keine oder nur ganz vereinzelt minderwertige/verkrüppelte Spermien vorzufinden sind. Bei der MESA wird der Nebenhoden meist durch einen kleinen Schnitt am Hodensack freigelegt und dann Spermien aus einem Nebenhodenkanälchen entnommen. Bei der TESE wird in lokaler Betäubung oder Kurznarkose der Hoden entweder durch einen kleinen Schnitt freigelegt und Hodengewebsproben entnommen oder aber der Hoden wird direkt mit einer Stahlkanüle punktiert. Das bei der TESE gewonnene Gewebe kann dann tiefgefroren (Kryokonservierung) und für spätere Befruchtungsmaßnahmen aufbewahrt werden.
Erfolgsaussichten reproduktionsmedizinischer Maßnahmen
Die betroffenen Kinderwunschpaare interessiert nicht so sehr die erzielte Schwangerschaftsrate (leider kommt es bei der ICSI und In Vitro Fertilisation häufig zu Fehlgeburten -Aborten) sondern die so genannte Baby take home Rate, das heißt wie wahrscheinlich es ist, dass die reproduktionsmedizinische Maßnahme zur Geburt eines gesunden Kindes führt. Wie das Deutsche IVF-Register zeigt ist die Schwangerschafts- und Baby take home Rate eindeutig vom Alter der Frau zum Zeitpunkt der durchgeführten Maßnahme abhängig.
Die Erfolgsraten (hier Schwangerschaftsraten) pro Behandlungszyklus lagen laut deutschem IVF Register bei Frauen bis 30 Jahren bei 30 %, in der Altersgruppe 31-35 Jahren bei 27 %, in der Altersgruppe 36-40 Jahre bei nur noch 21 % und über 40 Jahre bei nur noch 9 %. Die Baby take home Raten liegen dabei meist noch um die Hälfte niedriger. Ähnliche Ergebnisse berichtet das Amerikanische Register (siehe Abbildung).
Bedenkt man dass derzeit jährlich weltweit mehr als 50.000 IVF-Kinder das Licht der Welt erblicken, so wird deutlich, wie viele Paare dabei erfolglos behandelt werden müssen, um diese Zahl zu erreichen.