Archiv für den Monat Dezember 2007

PSA-Velocity (PSA – Anstiegsgeschwindigkeit – PSA - Verdopplungszeit)

Mittwoch, 05. Dezember 2007

In den letzten Jahren sind viele Publikationen erschienen, die allesamt zu dem Ergebnis kamen, dass die so genannte PSA – Velocity (PSA – Anstiegsgeschwindigkeit) bzw. die PSA – Verdoppelungszeit , also der Zeitraum, in welchem sich der PSA – Wert verdoppelt, ein entscheidendes Kriterium dafür ist, ob

1. ein Prostatakarzinom mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegt und
2. welche Prognose der Patient hat.

Insbesondere die PSA-Velocity bzw. Verdoppelungszeit das Jahr vor der Diagnosestellung Prostatakrebs hat einen Einfluss auf die Prognose.

Über das langfristige Verhalten des PSA-Wertes bei Patienten ohne Prostatakrebs und solchen, bei denen sich über die Zeit ein Prostatakarzinom entwickelt, gibt eine groß angelegte Studie aus Tirol Aufschluss (Quelle: Berger et al: Longitudinal changes in men with and without prostate cancer: assessment of prostate cancer risk. Prostate 2005, 64, 240 – 245) :
bei 2.815 Einwohnern des  österreichischen Bundeslandes Tirol wurden über einen Zeitraum von 10 Jahren insgesamt 32.661 PSA – Bestimmungen durchgeführt. Bei 353 Männern, bei welchen über einen Zeitraum von mindestens 6 Jahren das PSA bestimmt worden war und bei welchen dieser entweder angestiegen oder der Tastbefund der Prostata verdächtig war , wurde stanzbioptisch ein Prostatakarzinom festgestellt. Kriterium zur Durchführung einer Prostatabiopsie waren u.a. entweder ein Anteil an freiem PSA von 22 % bzw. ab 1995 von 18 % oder ein Gesamt PSA von > 10 ng/ml.

[Abbildung wird noch nachgereicht]
Wie die Abb. 8 eindrucksvoll belegt kommt es bei der Entwicklung eines Prostatakarzinoms zunächst in den ersten Jahren zu einem linearen Anstieg des PSA-Wertes , der dann in einen exponentialen Anstieg ausmündet.

Abb.8: PSA-Anstieg bei Patienten mit sich entwickelndem Prostatakarzinom (rote Kurve) im Verlauf von 10 Jahren vor der Diagnosestellung und bei  Männern gleichen Alters , bei welchen sich kein Prostatakrebs entwickelte (blaue Kurve).Ergebnisse der so genannten Tiroler PSA-Studie (siehe Text)
(Quelle: Berger et al: Longitudinal changes in men with and without prostate cancer: assessment of prostate cancer risk. Prostate 2005, 64, 240 – 245)

Bis vor kurzem wurden PSA-Anstiegszeiten von 0,75 ng/ml/Jahr als verdächtig auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms angesehen, wenn diese über 2-3 Jahre bestanden.

In einer 2007 publizierten Arbeit wurden die alterskorrelierten PSA-Werte und insbesondere die PSA-Velocity anhand einer riesigen Datenbasis analysiert
(Quelle: Moul,J.W. et al: Age adjusted prostate specific antigen and prostate specific antigen velocity cut points in prostate cancer screening.J Urol 2007,177,499-504):

In der Datenbasis des Duke Prostate Center waren 33.643 Männer gespeichert, wovon 11.861 Männer 2 oder mehr PSA-Messungen innerhalb von 2 Jahren hatten.
Die Prävalenz (Häufigkeit) des Prostatakrebses war in dieser großen Beobachtungsserie wie folgt:

50-59 Jahre: 8 % (n=273)
60-69 Jahre: 14,9 % (n=659)
> 70 Jahre: 17,9 % (n=722)

Parameter
50-59 J.
PCA -         PCA +
60 – 69 J
PCA -           PCA +
>  70 Jahre
PCA -           PCA +

Median PSA
1,1               5,6
1,6                 6,4
2,4                8,1
Median PSAV
0,18             1,37
0,25                1,5
0,37               1,86

Tab.8: Alterskorrelierte Medianwerte für Gesamt PSA und PSA-Velocity (PSAV)
Bei Patienten ohne (PCA -) und mit (PCA +) Prostatakarzinom.
(Quelle: Moul,J.W. et al:.J Urol 2007,177,499-504)

Auf Grund ihrer Ergebnisse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass insbesondere in der jüngeren Altersgruppe 50-59 Jahre bei  PSA-Cut-off Werten von 4 ng/ml und Cut-off Werten der PSA-Velocity von 0,75 ng/ml das Risiko auf das Vorhandensein auf einen Prostatakrebs eindeutig unterschätzt wird. Die Autoren empfehlen deshalb, dass bei jüngeren Männern (< 60 Jahre) folgende Cut-Off Referenzwerte zur Entscheidungsfindung , ob eine Prostatabiopsie durchgeführt werden soll  oder nicht, genommen werden sollen:

Männer < 60 Jahre
Gesamt PSA- Cut - off Wert : 2 ng/ml
PSA-Velocity: 0,4 ng/ml/Jahr.

Schließlich wurden  jüngst die Daten einer  großen Prostatatakrebs - Screening Studie publiziert  , an welcher 13.276 Männer teilgenommen hatten, von denen wegen Überschreitens des festgesetzten PSA-cut-off Wertes 1.851 einer Prostatabiopsie unterzogen worden waren ,wobei  schließlich bei 894 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiert worden ist. (Quelle: Yu,X et al: The Association between total specific antigen concentration and prostate specific antigen velocity.J.Urol. 2007, 177,1298 – 1302) Die Autoren konnten dabei einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den gemessenen PSA-Gesamtwerten und der PSA-Velocity pro Jahr feststellen:

Gesamt-PSA-Wert
PSA-Velocity > 2 ng/ml/Jahr
< 2,5 ng/ml
1 %
2,6 – 4,0 ng/ml
14 %
4,1 – 10 ng/ml
31 %
> 10 ng/ml
74 %

Tab: 9: Verhältnis Gesamt-PSA-Wert und PSA-Velocity > 2ng/ml.
(Quelle: Yu,X et al, J.Urol. 2007, 177,1298 – 1302)

Die Autoren konnten dabei zeigen, dass eine PSA-velocity > 2 ng/ml/Jahr mit einer erhöhten Prostatakrebssterblichkeit einhergeht.

Störungen der Fruchtbarkeit bei anderweitigen Systemerkrankungen.

Montag, 03. Dezember 2007

In einer unlängst veröffentlichten Übersichtsarbeit, welche sich mit einer Beeinträchtigung der Hodenfunktion und somit der Spermiogenese und Fruchtbarkeit bei anderweitigen Erkrankungen beschäftigte, führen die Autoren (Karagiannis,A. et al: Gonadal dysfunction in systemic diseases.Eur J. Endocrinol. 152,501-513,2005) folgende Erkrankungen auf:

  • Alkoholismus und Lebercirrhose,
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit),
  • Chronisches Nierenversagen,
  • Metabolisches Syndrom,
  • Abmagerung,
  • Rheumatoide Erkrankungen,
  • und andere.