Stadieneinteilung beim Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Allgemeine Anmerkungen zur Stadieneinteilung bei Krebserkrankungen:

Die Stadieneinteilung beim Prostatakrebs richtet sich, wie bei allen anderen Krebsarten auch, nach der Ausbreitung des Krebses bei Diagnosestellung. Auch beim Prostatakrebs hat die Stadieneinteilung der UICC (Union Internationale Contre le Cancer) weltweit die größte Akzeptanz erlangt.
Die UICC ist eine internationale Organisation mit Hauptsitz in der Schweiz , welche 1933 gegründet wurde und deren Tätigkeitsbereich die Erforschung, Prävention und Behandlung aller Krebserkrankungen beinhaltet.

Zur Klassifizierung des Ausbreitungsstadiums eines Krebses (Karzinoms) wird bei allen Krebserkrankungen eine Einteilung nach drei Kriterien vorgenommen:

Lokales Ausbreitungsstadium eines Krebses (T-Stadium): Ist der Krebs noch auf das Organ (z.B.Niere, Prostata, Blase, Magen, Darm) beschränkt oder hat der Krebs bereits Nachbargewebe mit angegriffen. Je höher das T-Stadium, desto schlechter die Prognose, wobei T1-3 Stadien meist sagen ,dass der Krebs noch auf das betroffenen Organ begrenzt ist, während bei einem T4 - Stadium bereits die Nachbarorgane/Gewebe mit vom Krebs befallen sind.

Metastasierung in die örtlichen (lokoregionären) Lymphknoten (N-Stadium): Hat der Krebs bereits zu Metastasen in die örtlichen Lymphknoten geführt, welche in unmittelbarer Nähe zum mit Krebs befallenen Organ liegen, oder sind bereits entfernte Lymphknotenregionen befallen.

Beim Prostatakrebs z.B. wären die örtlichen Lymphknoten die in Prostatanähe befindlich Lymphknotenstationen entlang der Beckengefäße (Obturatoria- und Iliacalgefäße) , während entfernte Lymphknotenstationen solche oberhalb der Aufgabelung der Bauchschlagader (Aortenbifurkation) oder noch entfernter solche in Brustkorbhöhe (selten bis in die Schlüsselbeingrube reichend) bzw. in den Leisten darstellen.

Das N-Stadium besagt sowohl wie viele Lymphknotenmetastasen vorliegen und welche Größe sie haben. Allgemein lässt sich sagen, dass bei den meisten Organkrebsen, wo nur 1-2 kleine Lymphknoten befallen sind (sog. N1 – Stadium), durch eine radikale Operation mit Lymphknotenentfernung (sog. Lymphadenektomie) durchaus noch eine Heilung angestrebt werden kann bzw. möglich ist, während bei fortgeschrittenem Lymphknotenbefall (mehr als 2 Lymphknoten befallen bzw. Größe der Lymphknotenmetastasen > 2 cm) prinzipiell meist keine Heilung mehr möglich ist.

Durch eine vorgeschaltete Chemotherapie und nachfolgende radikalchirurgische Maßnahmen können in Ausnahmefällen dann doch noch Heilungschancen bestehen. Eine positive Ausnahme stellt hier der Hodenkrebs dar, der auch bei fortgeschrittenem Lymphknotenbefall durch eine Polychemotherapie noch hohe Heilungschancen besitzt.

Fernmetatstasierung (M-Stadium): Metastasierung über den Blutkreislauf in fern gelegene Organe wie z.B. die Knochen (bevorzugt beim Prostatakrebs und Brustkrebs befallen) bzw. die Lunge (häufig beim Hodenkrebs, Nierenkrebs oder Blasenkrebs befallen) oder die Leber (häufig befallen bei fortgeschrittenen Karzinomen der Verdauungsorgane wie Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse) .

Jedes M 1 (+) – Stadium sagt aus, dass eine Fernmetastasierung vorliegt. Generell lässt sich sagen, dass Krebsleiden mit Fernmetastasierung in über 90 % nicht mehr geheilt werden können und die Patienten daran versterben .In Abhängigkeit davon, welches Organ betroffen ist, kann der Todeszeitpunkt durch Chemo- oder Bestrahlungstherapien hinausgezögert werden.

Bei Vorliegen einer isolierten (Einzel-) Fernmetastase (z.B. nur eine Knochen- bzw. Lungen -oder Lebermetastase vorhanden) kann durch eine gezielte Metastasenchirurgie in Einzelfällen dann doch noch eine Heilung erreicht werden.
Nach UICC werden die verschiedenen Stadien eines Krebses dann gerne auch nach Stadium 0 – IV differenziert (siehe Tab. 11), wobei allgemein gilt, je höher das T-Stadium, desto schlechter die Heilungschancen

[Tabelle wird noch ergänzt]
Tab.11: Allgemeine Tumor-(Krebs) klassifikation nach UICC

Stadieneinteilung beim Prostatakarzinom (Prostatakrebs) nach UICC (von 1997, 6.Auflage)

T 0 : Kein Primärtumor
T 1 : Klinisch nicht erkennbarer Tumor
T1a : Zufälliger histologischer Befund (z.B. bei Prostataresektion): inzidentes Karzinom mit = 5 % des untersuchten Gewebes befallen
T 1b : Zufälliger histologischer Befund (z.B. bei Prostataresektion): inzidentes Karzinom mit = 5 % des untersuchten Gewebes befallen
T 1c : Diagnose durch Prostatabiopsie bei verdächtigem PSA
T 2 : Tumor auf Prostata begrenzt (Tastbefund, Bildgebende Verfahren)
T 2a : Ein Prostatalappen befallen
T 2b : Beide Prostatalappen befallen, evtl. mit Kapselinfiltration)
T 3 : Extrakapsuläre Ausbreitung (Krebs ist durch Prostatakapsel gewachsen)
T 3a : Prostatakapsel ein- oder beidseitig durchbrochen
T 3b : Prostatakrebs in Samenblasen infiltriert
T 4 : Prostatakrebs hat Harnblase, Schließmuskel oder Rektum (Mastdarm) bzw. Beckenwand infiltriert

Tab. 12a T- Stadium - Einteilung beim Prostatakrebs

Nx : Regionäre (lokale) Lymphknoten nicht beurteilbar
N0: Keine Lymphknotenmetastasen
N1: Regionäre Lymphknotenmeastasen (Lymphknoten entlang den obturatorischen bzw. externen iliacalen Gefäßen)
Mx : Vorliegen von Fernmetastasen nicht beurteilbar
M1 : Fernmetastasen vorhanden
M 1a: Metastasen in nicht regionären Lymphknoten (Leisten, oberhalb der Gefäßkreuzung (Aortenbifurkation)
M 1b: Knochenmetastasen
M 1c: Fernmetastasen in anderen Organen

Tab. 12b: Metastaseneinteilung (Lymphknoten, Fernmetastasen) beim Prostatakrebs.

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