Archiv für den Monat Januar 2009

Nerv(Potenz)erhaltende Prostataentfernung mit hohen Impotenzraten

Sonntag, 18. Januar 2009

Die sogenannte Nerv(Potenz)erhaltende Prostataentfernung bei Prostatakrebs führt zu hohen bleibenden Impotenzraten auch in “Centres of Excellence”. Ergebnisse einer unabhängigen weltweiten Studie

In einer weltweiten Multicenterstudie mit 87 teilnehmenden Kliniken, welche als “Centres of Excellence” gelten, was die Nerv(Potenz) erhaltende Prostataentfernung beim Prostatakrebs angeht, wurden 628 Patienten eingeschlossen, welche sich einer beidseitigen Nerv erhaltenden Prostataentfernung unterzogen haben.

Die Patienten gehörten per definitionem der so genannten  Prostatakrebs Low Risk Gruppe an (PSA <10 ng/ml, Gleason Score ≤ 7). Innerhalb 14 Tage nach Operation wurden  die Patienten für 9 Monate einem der folgenden Behandlungsarme zugeteilt:

  • Vardenafil 10 mg täglich abends einzunehmen
  • Vardenafil 20 mg nur vor dem Sex einzunehmen
  • Placebo täglich abends einzunehmen
  • Placebo nur vor dem Sex einzunehmen.

Nach der Therapie bekamen die Patienten für 1 Monat in einem single blind modus Placebo und danach für 2 Monate in einer open lable Phase Vardenafil bei Bedarf , also vor  dem Sex. Als primärer Endpunkt dienten die Patienten welche nach 2 Monate wash-out Phase (also keine Behandlung mit einem wirksamen Potenzmedikament ) noch einen IIEF-EF Score von > 22 erreichten.

Alle Patienten waren vor der Prostataentfernung vollständig potent gemäß dem Internationalen Index der Erektionsfunktion (IIEF-EF, Score > 25) und regelmäßig sexuell aktiv. Unter den Deutschen Zentren, welche mit einer repräsentativen Anzahl von Patienten daran teilnahmen, befanden sich die auf Prostatakrebs spezialisierte private Martiniklinik in Hamburg sowie die Urologische Universitätsklinik Großhadern in München.

Die Ergebnisse dieser Studie sind mehr als ernüchternd ausgefallen: 12 Monate nach Durchführung der beidseits Nerv erhaltenden Prostataentfernung waren per definitionem nur noch ca. 27 % aller vor Operation  komplett potenten Patienten potent geblieben und dies obwohl es sich um eine so genannte low risk Prostatakrebs-Patientengruppe handelte.

Kommentar zur Studie über Impotenzraten bei Nerv erhaltenden Prostataentfernung

Die Ergebnisse dieser  Studie, welche erstmals über neutrale, nicht der jeweiligen Klinik/Institution zugehörige Personen ausgewertet wurden, stehen in krassem Gegensatz zu den von den jeweiligen Kliniken mitgeteilten Potenzraten, welche sie mit 80-95 % angeben (siehe Websites der jeweiligen Kliniken). Die Ergebnisse dieser weltweit objektiven Studie führen der Öffentlichkeit eindrucksvoll vor Augen, dass auch Centres of Excellence eine Impotenzrate von 70-80 % und nicht von 20% , wie sooft behauptet, nach “Potenz” erhaltender Prostataentfernung haben.

Patienten, welche an einem Prostatakrebs leiden und auf eine Potenz erhaltende Operation Wert legen, sollten diese Tatsachen verinnerlichen und wissen, dass die von den jeweiligen Kliniken subjektiv mitgeteilten Potenzraten sehr geschönt“, um nicht zu sagen gelogen sind.

Diese objektive Studie beweist dies weltweit zum ersten Male.

Quelle: Montorsi,F.et al: Effect of Nightly versus On-Demand Vardenafil on Recovery of Erectile Function in Men Following Bilateral Nerve Sparing Radical Prostatectomy.Eur Urol2008,54,924-931)

Hodenhochstand (Kryptorchismus) und Hodenkrebsrisiko

Sonntag, 18. Januar 2009

Hodenhochstand (Kryptorchismus) und Hodenkrebsrisiko

Das relative Risiko an einem Hodenkrebs zu erkranken schwankt für Jungen/Männer mit einem Hodenhochstand gemäß einer Literatur-recherche (Medline) zwischen 2,8 und 8.Jungen, bei welchen eine Hodenhochstandsoperation (Fachbegriff: Orchidopexie) erst nach dem 12.Lebensjahr durchgeführt wurde haben ein zwischen 2-6fach höheres Hodenkrebsrisiko als solche, bei welchen die Operation in jüngeren Jahren durchgeführt worden ist. Besteht ein einseitiger Hodenhochstand so hat  der kontralaterale, im Hodensack befindliche Hoden kein erhöhtes Krebsrisiko. Persistierende, also nicht operierte hoch stehende (Leiste,Bauchraum) Hoden haben ein höheres Risiko für so genannte Seminome (74%),wenn sie an einem Hodenkarzinom erkranken,während operierte, also in den Hodensack verlagerte ehemals kryptorche Hoden ein höheres Risiko für nicht seminomatöse Hodenkarzinome (63 %) zeigen, wenn sich in ihnen ein Hodenkrebs bildet.

Kommentar zu Hodenhochstand (Kryptorchismus) und Hodenkrebsrisiko:

Diese aktuelle Literaturrecherche beweist, dass auch bei adoleszenten und erwachsenen Männern bei hoch stehendem Hoden immer eine Operation im Sinne einer Verlagerung  (Orchidopexie) des kryptorchen Hodens in den Hodensack durchgeführt werden sollte. Ist dies aus anatomischen Gründen nicht möglich sollte insbesondere bei deutlich geschrumpften Leistenhoden dieser dann sicherheitshalber entfernt werden.

Von dem Entartungs (Krebs-)risiko des kryptorchen Hodens ist das Risiko der Infertilität (Unfruchtbarkeit) klar zu unterscheiden: es ist mittlerweile eindeutig bewiesen, dass Jungen/Männer mit kryptorchen Hoden eine zunehmende Beeinträchtigung der späteren Fruchtbarkeit zeigen, wenn der Hoden nicht vor Beendigung des 2.Lebensjahres (!!)operiert (orchidopexiert) worden ist!

(Literaturquelle: Wood,H.M. et al: Cryptorchidism and Testicular Cancer: Separating fact from fiction. J. Urol2009, 181, 452-461)