Archiv für die Kategorie ‘Geschlechtskrankheiten’

Ejakulatio präcox - Vorzeitiger Samenerguss - Erfolg mit Pindolol

Montag, 17. März 2008

Der vorzeitige Samenerguss ist die häufigste Sexualstörung

Der vorzeitige Samenerguss stellt die häufigste Sexualstörung (häufiger als Potenzstörungen) bei Männern dar und betrifft ca. 25 % aller Männer in der Altersgruppe 18-65 Jahre, wie unlängst eine Europäische Übersichtsarbeit gezeigt hat

( H.Porst, F. Montorsi, R.C.Rosen, L.Gaynor, S.Grupe, J. Alexander. European Urology 2007, 51, 816-824:The Premature Ejaculation Prevalence and Attitudes (PEPA) Survey: Prevalence, Comorbidities, and Professional Help-Seeking.)

Hilfe bei vorzeitigem Samenerguss mit Betablocker Pindodol

In einer unlängst publiizierten placebo-kontrollierten Studie mit 86 teilnehmenden Teilnehmern konnten die Autoren zeigen, dass mit Hilfe des  seit vielen Jahren verfügbaren Betablockers Pindolol (Handelsnamen Visken und Durapindol) Männern mit lebenslangem vorzeitigen Samenerguss erheblich geholfen werden kann, wenn so genannte SSRI wie Paroxetin alleine nicht geholfen haben: Die Medikation von Pindolol 7,5 mg /Tag führte dabei zu einer vierfachen Verlängerung des Durchhaltevermögens (Zeitraum bis zum Samenerguss nach Einführen des Penis in die Scheide), in Zahlen ausgedrückt von 48 sec. auf 188 sec. unter Pindolo gegenüber 41 auf nur 58 sec. unter Placebo. Wurde Pindolol wieder abgesetzt so kehrte der viel zu schnelle Samenerguss sofort wieder zurück.

(Quelle: M.R,.Safarinejad.:Once-Daily High-Dose Pindolol for Paroxetine-Refractory Premature Ejaculation: A Double-Blind, Placebo-Controlled and Randomized Study.J Clin Psychopharmacol 2008, 28:39-44)

Herpes genitalis eine häufige durch Geschlechtsverkehr übertragene Infektion

Montag, 10. März 2008

Infektionswege des Herpes genitalis

Die Infektion erfolgt bei sexuellen Aktivitäten, sei es durch vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr oder aber auch durch Oralverkehr. Eintrittspforte für die Viren sind Haut und Genital- bzw. Mundschleimhäute.

Einmal infiziert heißt immer infiziert, d.h., dass der betroffene Mensch de facto lebenslang infiziert bleibt.

Die Viren gelangen durch die beschriebenen Mikroverletzungen in die jeweiligen Epithelzellschichten und vermehren sich dort. Von dort gelangen sie in die Enden der sensiblen Haut- und Schleimhautnervenäste, über welche unsere Empfindungen (z.B. Temperatur-,Berührungs- und Schmerz-empfinden) und somit unsere Gefühle (z.B.Lustempfinden bei Berührung) an Rückenmark und Gehirn weiter geleitet werden. Über die Nervenfasern gelangen die HSV Viren in die sensiblen Nervenganglien (Kerne) und bleiben („überwintern“)dort solange der „Wirtskörper“, in diesem Falle also der Mensch am Leben ist. In Abhängigkeit vom jeweils aktuellen Immunstatus des Virusträgers werden die latent in den Nervenganglien schlummernden Viren dann periodisch aktiviert, also quasi zum Leben erweckt, und wandern entlang der Nervenfasern wieder zu deren Enden und verursachen dann dort klinische Symptome , welche sehr unterschiedlich stark ausgebildet sein können - von unbemerkten, kleinen roten Punkten bis hin zu sehr schmerzhaften Bläschenbildungen an Haut und Schleimhäuten der Genitale. Bläschenbildungen sind typischerweise rundlich und stechnadelköpfgroß, entweder einzeln oder in Gruppen angeordnet. Nach einigen Tagen verkrusten dann diese Herpesbläschen und heilen wieder ab.

Egal, ob die HSV-Erstinfektion vom Menschen bemerkt wurde oder unbemerkt blieb, immer wandern die Viren dann zu den Nervenganglien und bleiben dort lebenslang.

Herpes genitalis in der Bevölkerung weit verbreitet

Sonntag, 24. Februar 2008

Epidemiologie und Infektionswege des Herpes genitalis

 

Die Herpesviren  unterteilen sich in Herpes simplex Virus (HSV) Typ 1 und Herpes simplex Virus Typ 2. Beide Virustypen sind bezüglich ihrer DNA Struktur sehr eng miteinander verwandt und zeigen eine 83 %ige  eine gemeinsame Identität bezüglich ihrer Eiweiß (Protein) Codierungs(Synthese)stellen und ihres Genoms. Normalerweise ist HSV 1 für Infektionen in der Mund-Lippenregion (daher der Name Herpes labialis) und HSV 2 für solche in der Genitalregion verantwortlich. Die Herpesviren werden ubiquitär sowhol in städtischen und ländlichen Regionen angetroffen und sind weltweit die häufigste Ursache für genitale Ulcera (Geschwüre) bei beiden Geschlechtern. Die weltweiten Durchseuchungs-(Prävalenzraten) schwanken landesabhängig zwischen 10 und 60 %.Obgleich weltweit die meisten Herpesinfektionen am Genitale durch HSV 2 verursacht werden ist in den entwickelten(industrialisierten) Ländern auch der HSV 1 Typ mittlerweile für 50 % der klinischen Erstinfektionen am Genitale verantwortlich.Allein in den USA kommt es Schätzungen zufolge  jährlich zu 1 Million HSV Neuinfektionen Die Durchseuchungsrate ist in erster Linie von den sexuellen Gewohnheiten der untersuchten Populationen abhängig. So haben Menschen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern eine viel höhere Durchseuchungsrate als solche mit wenigen Intimpartnern/innen .Bei  HIV-Infizierten und Prostituierten erreichen die Durchseuchungsraten bis zu 90 % .


Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und HPV (Humanes Papillomvirus) Infektion

Montag, 14. Januar 2008

In einer kürzlich erschienen Übersichtsarbeit setzen sich die Autoren mit dem Zusammenhang zwischen HPV (Humanes Papillomavirus)-Infektion und dem Risiko Gebärmutterhalskrebs zu bekommen,auseinander (M.Schiffman et al: Human papillomavirus and cervical cancer.Lancet 2007,370,890-907).

Die Weltstatistik weist für das Jahr 2002 weltweit über 500.000 neue Fälle an Gebärmutterhalskrebs aus, wovon 275.000 tödlich verliefen.Je geringer der Entwicklungsstand der analysierten Nationen war  desto höher war die Rate der  Gebärmutterhalskrebs(Zervixkarzinom)erkrankungen.

Der Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich aus der Gebärmutterschleimhaut im Bereich der so genannten Transformationszone, nachdem diese durch HPV-Viren infiziert worden ist.Die Übertragung von HPV-Viren erfolgt schon in 20-40 % mit dem ersten Geschlechtsverkehr.Zur Zeit sind insgesamt 15 (HPV16,18,31,35,39,45,51,52, 56,58, 59,68,73 ,82,  und unbekannt) verschiedene HPV-Genotypen bekannt , welche prinzipiell einen Gebärmutterhalskrebs verursachen können, wobei der Genotyp HPV 16 ca. 55 % und der Genotyp 18 ca. 16 % aller Zervixkarzinome verursachen. Die HPV-Durchseuchung der Bevölkerung ist dabei sehr groß, die Mehrzahl der Infektionen erfolgt bei den Frauen in den ersten 10 Jahren nach Beginn des Geschlechtsverkehrs.

Weniger als 10 % aller neuen Infektionen gehen unbehandelt  in den nächsten 5-10 Jahren in persistierende Infektionen und später so genannte Präkanzerosen (Vorstadien zum Krebs) über. Glücklicherweise geht dabei wiederum auch nur ein kleiner Prozentsatz dieser chronischen unbehandelten HPV-Infektionen und Präkanzerosen in einen manifesten Gebärmutterhalskrebs über und verlaufen dann tödlich, wenn sie zu spät erkannt werden und die Gebärmutter zu spät entfernt wird.

Die Latenzzeit bis zum Auftreten eines klinisch manifesten Gebärmutterhalskrebses beträgt dabei oft Jahrzehnte,so dass der Hauptmanifestationsgipfel des Zervixkarzinoms in den Altersdekaden 35-55 Jahre liegt.

Bezüglich der 15 verschiedenen HPV-Genotypen, von welchen bekannt ist,dass sie Gebärmutterhalskrebs verursachen können, ist jeder für sich in der Lage, eine chronische Infektion und damit a la longue einen Gebärmutterhalskrebs zu verursachen, d.h, dass es prinzipiell keine lebenslange sondern nur eine temporäre Immunität gegen eine HPV-Infektion gibt und dass mit Wechsel des Sexualpartners prinzipiell eine neue HPV-Infektion mit einem anderen Genotyp möglich ist.

Das Risiko für eine chronische HPV-Infektion und für einen Gebärmutterhalskrebs erhöht sich durch folgende Faktoren auf das 2-3fache:

Geschlechtsverkehr mit unbeschnittenen Männern

Häufig wechselnde Geschlechtspartner

Langzeitanwendung von Kontrazeptiva (die Pille)

Rauchen

Mittlerweile stehen für die Immunisierung ,also zum Schutz vor einer  HPV-Infektion, zwei Impfstoffe zur Verfügung, nämlich  Gardasil (HPV 16 und 18) und Cervarix (HPV 6,11,16 und 18).Die Immunisierung muss dabei vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen,also noch im Schulalter, und schützt auf Grund der Studienlage für mindestens 5 Jahre vor einer Infektion.

Unklar ist hierbei zum augenblicklichen Zeitpunkt wie lange die Erstimmunisierung wirklich anhält, wann Auffrischungsimpfungen erforderlich sind und ob die Impfung zu einem späteren Zeitpunkt,also wenn bereits Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, auch noch schützt.

Die Impfung wird von den meisten Krankenkassen gezahlt.

Eigene Anmerkung:

Da wie in dem Artikel aufgeführt immer noch über 1/2 Mio. Frauen weltweit an Gebärmutterhalskrebs erkranken und die Hälfte daran stibt, sind alle Frauen gut beraten,regelmäßige gynäkologische Untersuchungen durchführen zu lassen.Dies trifft insbesondere auf die oben genannten Risikogruppen zu.Frauen, die bei ihren Intimpartnern kleine Wärzchen an Vorhaut,Eichel,Penisschaft oder gar Hodensack bemerken,sollten diese unverzüglich zum  Urologen schicken, da diese “Wärzchen” (im Fachchargon Condylome genannte) immer Hinweis auf eine HPV-Infektion sind.

Sex , Hepatitis und Leberkrebs(Leberkarzinom)risiko

Samstag, 10. November 2007

In einer jetzt im November im renommierten New England Journal of Medicine publizierten Arbeit weist der Autor auf das deutlich erhöhte Risiko , an Leberzellkrebs zu erkranken , bei entsprechend risikobehafteten sexuellen Aktivitäten hin (Wands,J.: Hepatocellular Carcinoma and Sex. NEJM 2007,357, 1974)

Das Risiko, einen (meist unheilbaren) Lebrzellkrebs zu bekommen ist bei Männern generell doppelt so hoch wie bei Frauen.

Typische Risikogruppen für einen Leberkrebs sind alle die Menschen, welche an einer chronischen Hepatitis (Hepatitis =Leberentzündung) B oder C leiden.In diesen Gruppen ist das Leberkrebsrisiko um das 25-30 fache  gegenüber gleichaltrigen Menschen ohne Hepatitis erhöht.

In diesem Zusammenhang ist bekannt dass insbesondere Männer und Frauen mit einem risikobehaftetem Sexleben (häufig wechselnde Geschlechtspartner, ungeschützter Geschlechtsverkehr) ein ungleich höheres Hepatitis B und C Risiko haben als die “Normalbevölkerung”

Die chronische Leberentzündung führt hierbei zu einer Schädigung der Leberzellen, häufig einhergehend mit einem narbig-fibrotischen Leberumbau (Leberzirrhose), welcher die Grundlage für die spätere Entartung ,d.h. Krebsentstehung darstellt.

Schlussfolgerungen:

Bei Auswahl seiner sexuellen Aktivitäten sollte man die etwaigen, damit verbundenen Risiken trotz “purer Lust” nie aus den Augen verlieren. Sex mit unbekannten oder nur flüchtig bekannten Personen ohne Condom  kann fatale Spätfolgen haben, wie diese Arbeit eindrucksvoll einmal wieder zeigt.

Sollte eine Hepatitis A bzw. B vorliegen so sollten

1. Medikamentöse Therapieversuche unternommen werden, um die persistierende HBV bzw. HCV Infektion einzudämmen bzw. auszumerzen  und

2. regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Leber erfolgen