Initiiert anlässlich einer 2005 gehaltenen Konsensus-Konferenz der International Society of Urological Pathology und nachfolgenden Beratungen/Veröffentlichungen erfuhr das ursprüngliche Gleason-System eine entsprechende Modifikation.Die Hauptvertänderungen betrafen hierbei die Gleason Kategorien 3 und 4 : So wurde das Spektrum der Gleason 3 Kategorie generell eingeengt und das der Gleason 4 Kategorie erweitert, um somit in Zukunft eine bessere Reproduzierbarkeit der jeweiligen Befunde unter verschiedenen begutachtenden Pathologen zu erreichen. In der Vergangenheit bestand insbesondere was die Gleason-Muster 3 und 4 anging, eine sehr hohe interindividuelle Diskrepanz, will heißen, der eine Pathologe beurteilte nach der alten Gleason Kategorie das Muster als 3 während der andere es als 4 beurteilte, wobei ja gerade ein Gleason-Muster 4 ein erheblicher Prognosefaktor bezüglich einer definitiven Heilung und Langzeitüberlebens-wahrscheinlichkeit darstellte. Auf Grund dieser jetzt in Pathologenkreisen neu beschlossenen Modifikationen des Gleason-Systems zugunsten eines Gleason 4 Musters wird in Zukunft zwangsläufig die Diagnose Gleason 3+4 ,also Gleason 7, zunehmen und die Diagnose Gleason 3+3 , also Gleason 6 abnehmen. Welche Auswirkungen diese Modifikationen letzten Endes auf den klinischen Alltag im Hinblick auf die Prognose eines diagnostizierten Prostatakrebses haben werden muss abgewartet werden. (Literatur:Lotan, T.L et al: Clinical implications of changing definitions within the Gleason grading system. Nature Reviews Urology 2010, 7, 136-142)
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Das Neue (geänderte) Gleason-System 2009 beim Prostatakrebs
Mittwoch, 07. April 2010Männer mit Unfruchtbarkeit (Infertilität) haben ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko
Montag, 05. April 2010Die Ergebnisse einer umfangreichen multivariaten Analyse der auswertbaren Daten von 19.106 Männern, welche sich in Kalifornien in den Jahren 1967-1998 wegen unerfülltem Kinderwunsch einer weiteren diagnostischen Abklärung unterzogen hatten , zeigten ,dass die Männer, welche eine eingeschränkte Fruchtbarkeit hatten , also infertil waren. gegenüber der alterskorrelierten männlichen Normalbevölkerung ein 2,6 fach erhöhtes Risiko ( Hazard Risk HR = 2,6, 95 % Konfidenz Intervall 1,4 – 4,8, p = 0,003) aufwiesen, einen aggressiven Prostatakrebs zu bekommen. Insgesamt erfüllten 4.548 (24 %) der 19.106 Männer bei der weiteren Diagnostik nach den WHO (World Health Organization) die Kriterien einer Infertilität.Die Autoren kommen deshalb zu der Schlussfolgerung, dass infertile Männer sich einem entsprechenden Prostatakrebsscreening unterziehen sollten. (Literatur: Walsh T et al: Increased risk of high-grade prostate cancer among infertile men.Cancer 2010, publ. online ahead.)
Nerv(Potenz)erhaltende Prostataentfernung mit hohen Impotenzraten
Sonntag, 18. Januar 2009Die sogenannte Nerv(Potenz)erhaltende Prostataentfernung bei Prostatakrebs führt zu hohen bleibenden Impotenzraten auch in “Centres of Excellence”. Ergebnisse einer unabhängigen weltweiten Studie
In einer weltweiten Multicenterstudie mit 87 teilnehmenden Kliniken, welche als “Centres of Excellence” gelten, was die Nerv(Potenz) erhaltende Prostataentfernung beim Prostatakrebs angeht, wurden 628 Patienten eingeschlossen, welche sich einer beidseitigen Nerv erhaltenden Prostataentfernung unterzogen haben.
Die Patienten gehörten per definitionem der so genannten Prostatakrebs Low Risk Gruppe an (PSA <10 ng/ml, Gleason Score ≤ 7). Innerhalb 14 Tage nach Operation wurden die Patienten für 9 Monate einem der folgenden Behandlungsarme zugeteilt:
- Vardenafil 10 mg täglich abends einzunehmen
- Vardenafil 20 mg nur vor dem Sex einzunehmen
- Placebo täglich abends einzunehmen
- Placebo nur vor dem Sex einzunehmen.
Nach der Therapie bekamen die Patienten für 1 Monat in einem single blind modus Placebo und danach für 2 Monate in einer open lable Phase Vardenafil bei Bedarf , also vor dem Sex. Als primärer Endpunkt dienten die Patienten welche nach 2 Monate wash-out Phase (also keine Behandlung mit einem wirksamen Potenzmedikament ) noch einen IIEF-EF Score von > 22 erreichten.
Alle Patienten waren vor der Prostataentfernung vollständig potent gemäß dem Internationalen Index der Erektionsfunktion (IIEF-EF, Score > 25) und regelmäßig sexuell aktiv. Unter den Deutschen Zentren, welche mit einer repräsentativen Anzahl von Patienten daran teilnahmen, befanden sich die auf Prostatakrebs spezialisierte private Martiniklinik in Hamburg sowie die Urologische Universitätsklinik Großhadern in München.
Die Ergebnisse dieser Studie sind mehr als ernüchternd ausgefallen: 12 Monate nach Durchführung der beidseits Nerv erhaltenden Prostataentfernung waren per definitionem nur noch ca. 27 % aller vor Operation komplett potenten Patienten potent geblieben und dies obwohl es sich um eine so genannte low risk Prostatakrebs-Patientengruppe handelte.
Kommentar zur Studie über Impotenzraten bei Nerv erhaltenden Prostataentfernung
Die Ergebnisse dieser Studie, welche erstmals über neutrale, nicht der jeweiligen Klinik/Institution zugehörige Personen ausgewertet wurden, stehen in krassem Gegensatz zu den von den jeweiligen Kliniken mitgeteilten Potenzraten, welche sie mit 80-95 % angeben (siehe Websites der jeweiligen Kliniken). Die Ergebnisse dieser weltweit objektiven Studie führen der Öffentlichkeit eindrucksvoll vor Augen, dass auch Centres of Excellence eine Impotenzrate von 70-80 % und nicht von 20% , wie sooft behauptet, nach “Potenz” erhaltender Prostataentfernung haben.
Patienten, welche an einem Prostatakrebs leiden und auf eine Potenz erhaltende Operation Wert legen, sollten diese Tatsachen verinnerlichen und wissen, dass die von den jeweiligen Kliniken subjektiv mitgeteilten Potenzraten sehr “geschönt“, um nicht zu sagen gelogen sind.
Diese objektive Studie beweist dies weltweit zum ersten Male.
Quelle: Montorsi,F.et al: Effect of Nightly versus On-Demand Vardenafil on Recovery of Erectile Function in Men Following Bilateral Nerve Sparing Radical Prostatectomy.Eur Urol2008,54,924-931)
Hormon(Testosteron)entzugstherapie beim primär metastasierten, wiederkehrenden bzw. progressiven Prostata-karzinom – Frühzeitige versus verzögerte Therapie
Mittwoch, 27. Februar 2008Sofortige oder verzögerte Testosteron-Entzugstherapie
Eine weit verbreitete Unsicherheit besteht unter der Ärzteschaft, ob eine sofortige oder aber eine verzögerte Testosteronentzugstherapie (chemisch oder chirurgisch) bei Patienten mit primär fern metastasiertem ProstatakrebsRelaps bzw. bei Patienten mit einem so genanntem (Rezidiv) nach kurativer Therapie (operativ oder chirurgisch) ,nachgewiesen durch einen PSA-Anstieg, durchgeführt werden soll.
Aktualisierung der ASCO-Richtlinien bez. der hormonellen Therapie des recurrenten und progressiven Prostatakrebses
Anhand einer neu durchgeführten Literatur-Recherche hat die American Society of Clinical Oncology (ASCO) ihre 2004 publizierten Richtlinien (guidelines) bezüglich der hormonellen Therapie des androgen sensitiven, metastasierten , wiederkehrenden (recurrenten) oder progressiven Prostatakrebses aktualisiert (Loblaw , D.A. et al): In die den neuen Empfehlungen der ASCO zugrunde gelegten Literatur-Recherche gingen 7 randomisierte Studien, Ein systematischer Review, eine Metaanalyse, ein Markov Modell und ein die Delta Methode mit 95 % Konfidenzintervall zugrunde gelegtes Verfahren für aktiv kontrollierte Studien mit ein;
1.Sowohl der chirurgische (beidseitige Orchiektomie) als auch der chemische (LHRH-Analoga) Hormon(Testosteron)entzug werden als initiale Hormontherapie empfohlen.
2.Die Therapie mit nicht-steroidalen Antiandrogenen(z.B.Bicalutamid) wird als Alternative zu 1. als diskussionswürdig erachtet.
3.Die Monotherapie mit steroidalen Antiandrogenen (z.B.Cyproteronacetat) wird hingegen nicht empfohlen.
4. Die kombinierte (totale) Androgenblockade sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden.
5. Bei metastasiertem oder progredienten PCA resultiert die sofortige gegenüber der verzögerten,“Symptom (Schmerzen) “getriggerten” Hormonentzugstherapie in einer moderaten Verminderung (17 %) des relativen Risikos für die Karzinom spezifische Mortalität bei gleichzeitig moderatem Anstieg (15%) der nicht Karzinom spezifischen Mortalität, somit netto gesehen in keinem Gesamtüberlebensvorteil.
Unter Berücksichtigung dieser Daten kam das ASCO Gremium zu der Auffassung , dass derzeit keine strenge Empfehlung für eine frühzeitige Hormonentzugstherapie gegeben werden kann, und dass weitere prospektive Studien erforderlichRisikogruppen sind. Die geeignet sind, zu indentifizieren, welche von einer frühen Hormon(Testosteron)entzugstherapie profitieren.
Quelle: Loblaw,D.A.,Virgo,K.S.,Nam,R. et al: Initial hormonal management of androgen-sensitive metastatic, recurrent, or progressive prostate cancer: 2006 Update of an American Society of Clinical Oncology practice guideline.J Clin Oncol 25,1596-1605,2007
Prognose (Sterberisiko/Überlebenswahrscheinlichkeit) beim Prostatakrebs (Prostatakarzinom)
Montag, 14. Januar 2008Anhand verschiedener großer Langzeitstudien war man in der Lage, verschiedene Kriterien beim Prostatakarzinom herauszuarbeiten, welche eine individuelle Risikostratifizierung zulassen. Parameter, welche in diese individuelle Risikostratifizierung mit eingehen, sind insbesondere der PSA-Wert, das Tumorstadium (T,N,M) sowie vor allem das Grading nach Gleason.
Studien der jüngsten Vergangenheit haben zusätzlich gezeigt, dass die PSA-Velocity und hierbei die PSA-Verdoppelungszeit die letzten 12 Monate vor Durchführung kurativer( in Heilungsabsicht durchgeführter) Therapiemaßnahmen (radikale Prostatektomie , Bestrahlungstherapie incl. Brachytherapie) bzw. palliativer Maßnahmen (Antihormontherapie,Chemotherapie) einen Einfluss auf Überlebens-wahrscheinlichkeit und Überlebensdauer beim Prostatakrebs haben.
In der Literatur existieren hierbei eine Reihe von Publikationen, welche unterschiedliche Risikostratifizierungen angeben, die sich aber nur in Nuancen unterscheiden.
Als sehr übersichtlich und nützlich, sowohl für den betroffenen Patienten als auch für den behandelnden Arzt, sei stellvertretend für alle Risikostratifizierungen die neueste Stadieneinteilung der American Urological Association (AUA) aus dem Jahre 2006 genannt (nachzulesen im Internet unter www.auanet.org):
Niedriges Risiko : PSA = 10 ng/ml
Gleason-Score = 6
Klinisch T 1 oder T 2a-Stadium
Mittleres Risiko: PSA > 10ng/ml und < 20 ng/ml
oder Gleason-Score 7
oder klinisch T 2b Stadium
Hohes Risiko: PSA > 20 ng/ml
oder Gleason Score 8-10
oder klinisch T 2c- Stadium
Weitere in der Literatur mitgeteilte Kriterien zur Beurteilung der Aggressivität eines Prostatakrebses und somit des Krebs-Sterberisikos sind (siehe Text vorher):
PSA-Velocity > 2 ng/ml/Jahr
PSA-Verdoppelungszeit < 1 Jahr
PSA-density > 0,18 ng/ml ccm3
Stadieneinteilung beim Prostatakrebs (Prostatakarzinom)
Mittwoch, 09. Januar 2008Allgemeine Anmerkungen zur Stadieneinteilung bei Krebserkrankungen:
Die Stadieneinteilung beim Prostatakrebs richtet sich, wie bei allen anderen Krebsarten auch, nach der Ausbreitung des Krebses bei Diagnosestellung. Auch beim Prostatakrebs hat die Stadieneinteilung der UICC (Union Internationale Contre le Cancer) weltweit die größte Akzeptanz erlangt.
Die UICC ist eine internationale Organisation mit Hauptsitz in der Schweiz , welche 1933 gegründet wurde und deren Tätigkeitsbereich die Erforschung, Prävention und Behandlung aller Krebserkrankungen beinhaltet.
Zur Klassifizierung des Ausbreitungsstadiums eines Krebses (Karzinoms) wird bei allen Krebserkrankungen eine Einteilung nach drei Kriterien vorgenommen:
Lokales Ausbreitungsstadium eines Krebses (T-Stadium): Ist der Krebs noch auf das Organ (z.B.Niere, Prostata, Blase, Magen, Darm) beschränkt oder hat der Krebs bereits Nachbargewebe mit angegriffen. Je höher das T-Stadium, desto schlechter die Prognose, wobei T1-3 Stadien meist sagen ,dass der Krebs noch auf das betroffenen Organ begrenzt ist, während bei einem T4 - Stadium bereits die Nachbarorgane/Gewebe mit vom Krebs befallen sind.
Metastasierung in die örtlichen (lokoregionären) Lymphknoten (N-Stadium): Hat der Krebs bereits zu Metastasen in die örtlichen Lymphknoten geführt, welche in unmittelbarer Nähe zum mit Krebs befallenen Organ liegen, oder sind bereits entfernte Lymphknotenregionen befallen.
Beim Prostatakrebs z.B. wären die örtlichen Lymphknoten die in Prostatanähe befindlich Lymphknotenstationen entlang der Beckengefäße (Obturatoria- und Iliacalgefäße) , während entfernte Lymphknotenstationen solche oberhalb der Aufgabelung der Bauchschlagader (Aortenbifurkation) oder noch entfernter solche in Brustkorbhöhe (selten bis in die Schlüsselbeingrube reichend) bzw. in den Leisten darstellen.
Das N-Stadium besagt sowohl wie viele Lymphknotenmetastasen vorliegen und welche Größe sie haben. Allgemein lässt sich sagen, dass bei den meisten Organkrebsen, wo nur 1-2 kleine Lymphknoten befallen sind (sog. N1 – Stadium), durch eine radikale Operation mit Lymphknotenentfernung (sog. Lymphadenektomie) durchaus noch eine Heilung angestrebt werden kann bzw. möglich ist, während bei fortgeschrittenem Lymphknotenbefall (mehr als 2 Lymphknoten befallen bzw. Größe der Lymphknotenmetastasen > 2 cm) prinzipiell meist keine Heilung mehr möglich ist.
Durch eine vorgeschaltete Chemotherapie und nachfolgende radikalchirurgische Maßnahmen können in Ausnahmefällen dann doch noch Heilungschancen bestehen. Eine positive Ausnahme stellt hier der Hodenkrebs dar, der auch bei fortgeschrittenem Lymphknotenbefall durch eine Polychemotherapie noch hohe Heilungschancen besitzt.
Fernmetatstasierung (M-Stadium): Metastasierung über den Blutkreislauf in fern gelegene Organe wie z.B. die Knochen (bevorzugt beim Prostatakrebs und Brustkrebs befallen) bzw. die Lunge (häufig beim Hodenkrebs, Nierenkrebs oder Blasenkrebs befallen) oder die Leber (häufig befallen bei fortgeschrittenen Karzinomen der Verdauungsorgane wie Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse) .
Jedes M 1 (+) – Stadium sagt aus, dass eine Fernmetastasierung vorliegt. Generell lässt sich sagen, dass Krebsleiden mit Fernmetastasierung in über 90 % nicht mehr geheilt werden können und die Patienten daran versterben .In Abhängigkeit davon, welches Organ betroffen ist, kann der Todeszeitpunkt durch Chemo- oder Bestrahlungstherapien hinausgezögert werden.
Bei Vorliegen einer isolierten (Einzel-) Fernmetastase (z.B. nur eine Knochen- bzw. Lungen -oder Lebermetastase vorhanden) kann durch eine gezielte Metastasenchirurgie in Einzelfällen dann doch noch eine Heilung erreicht werden.
Nach UICC werden die verschiedenen Stadien eines Krebses dann gerne auch nach Stadium 0 – IV differenziert (siehe Tab. 11), wobei allgemein gilt, je höher das T-Stadium, desto schlechter die Heilungschancen
[Tabelle wird noch ergänzt]
Tab.11: Allgemeine Tumor-(Krebs) klassifikation nach UICC
Stadieneinteilung beim Prostatakarzinom (Prostatakrebs) nach UICC (von 1997, 6.Auflage)
T 0 : Kein Primärtumor
T 1 : Klinisch nicht erkennbarer Tumor
T1a : Zufälliger histologischer Befund (z.B. bei Prostataresektion): inzidentes Karzinom mit = 5 % des untersuchten Gewebes befallen
T 1b : Zufälliger histologischer Befund (z.B. bei Prostataresektion): inzidentes Karzinom mit = 5 % des untersuchten Gewebes befallen
T 1c : Diagnose durch Prostatabiopsie bei verdächtigem PSA
T 2 : Tumor auf Prostata begrenzt (Tastbefund, Bildgebende Verfahren)
T 2a : Ein Prostatalappen befallen
T 2b : Beide Prostatalappen befallen, evtl. mit Kapselinfiltration)
T 3 : Extrakapsuläre Ausbreitung (Krebs ist durch Prostatakapsel gewachsen)
T 3a : Prostatakapsel ein- oder beidseitig durchbrochen
T 3b : Prostatakrebs in Samenblasen infiltriert
T 4 : Prostatakrebs hat Harnblase, Schließmuskel oder Rektum (Mastdarm) bzw. Beckenwand infiltriert
Tab. 12a T- Stadium - Einteilung beim Prostatakrebs
Nx : Regionäre (lokale) Lymphknoten nicht beurteilbar
N0: Keine Lymphknotenmetastasen
N1: Regionäre Lymphknotenmeastasen (Lymphknoten entlang den obturatorischen bzw. externen iliacalen Gefäßen)
Mx : Vorliegen von Fernmetastasen nicht beurteilbar
M1 : Fernmetastasen vorhanden
M 1a: Metastasen in nicht regionären Lymphknoten (Leisten, oberhalb der Gefäßkreuzung (Aortenbifurkation)
M 1b: Knochenmetastasen
M 1c: Fernmetastasen in anderen Organen
Tab. 12b: Metastaseneinteilung (Lymphknoten, Fernmetastasen) beim Prostatakrebs.
Histologische Klassifizierung des Prostatakrebses nach WHO (World Health Organization)
Freitag, 04. Januar 2008Die nach WHO vorgenommene Klassifizierung beurteilt einerseits die Drüsenarchitektur, andererseits die Zellkernstruktur:
Beurteilung der Drüsenarchitektur:
G 1: einfache Drüsen, teilweise mit papillären Strukturen
G 2: Verschmelzung von Drüsen mit kribriformen Mustern
G 3 abortive und fehlende Drüsenbildung
Beurteilung nach der Kernstruktur (Kernaplasie)
G 1: gering
G 2: mäßig
G 3: stark
Die Einordnung nach WHO erfolgt dabei nach dem ungünstigsten Grad, d.h. ergibt die Drüsenstruktur ein G 2 Grading und die Kernaplasie ein G 3 Grading ist das Gesamtgrading G 3.
Histologische Klassifizierung des Prostatakrebses (Beurteilung der Bösartigkeit / Aggressivität) nach Gleason
Samstag, 29. Dezember 2007Wie schon aus dem vorher Gesagten ersichtlich wird gibt es unterschiedliche Klassifizierungen des Prostatakrebses im Sinne einer unterschiedlichen Bösartigkeit/Aggressivität. Weltweit hat sich hier die Klassifizierung (Grading) nach Gleason durchgesetzt (Gleason, D.F.Human Pathology,1992,23,273-279).
Zum besseren Verständnis sei hier kurz das Prinzip des Gleason-Grading dargestellt: Es richtet sich nach der im Mikroskop beurteilten Architektur der Prostatadrüsen, wobei laienhaft ausgedrückt Folgendes zutrifft: Je ungeordneter (undifferenzierter ) die Prostatadrüsen im Biopsiepräparat erscheinen desto höher die Bösartigkeit und Aggressivität des Krebses:
Gleason Score 1: uniforme Drüsen, scharf abgegrenzt zu anderen Gebestrukturen.
Gleason Score 2: weniger uniforme Drüsen und weniger abgegrenzt
Gleason Score 3: unregelmäßige Drüsen , unscharf abgegrenzt
Gleason Score 4: Verschmelzung der Drüsen mit Infiltration in die Umgebung
Gleason Score 5: gerade noch erkennbare Drüsenstrukturen mit Vakuolenbildung
Bei denn Prostatabiopsien werden insgesamt zwischen 8 und 12 Biopsien aus verschiedenen Arealen der Prostata (aus beiden Prostatalappen je 4-6 Biopsate) entnommen und die so gewonnenen 15-25 mm langen Stanzzylinder im Mikroskop untersucht. Es werden dabei je Zylinder 2 unterschiedliche Tumorareale bewertet, woraus sich dann der Gleason-Score errechnet:
Beispiel: Hat ein Tumorareal die überwiegende Drüsenstruktur Gleason 4 und das andere Tumorareal überwiegend Gleason 3 dann ergibt sich insgesamt ein Gleason-Score von 7 (4+3) .
Auf Grund zahlreicher Langzeitstudien weiß man heute, dass Prostatakarzinome, welche einen Gleason-score von < 7, also Gleason-Score 2-6, aufweisen eine insgesamt günstige Prognose aufweisen, während Prostatakrebse mit der Klassifizierung Gleason-Score 7-10 eine deutlich schlechtere Prognose zeigen, auch wenn sie in kurativer Absicht radikal operiert worden sind.
Empfehlungen zum sinnvollen Prostatascreening
Dienstag, 18. Dezember 2007Da mittlerweile Bücherregale an Publikationen über Cut-off Werte für Gesamt-PSA , freies PSA und PSA-Velocity existieren , welche mehr dazu angetan sind sowohl Laien als auch Ärzte zu verwirren, denn Ihnen Sicherheit zu geben, erscheint insbesondere unter Berücksichtigung der in den letzten 2 Jahren publizierten großen Studien mit Zehntausenden von Männern derzeit folgendes Fazit zum PSA erlaubt:
1. Jeder Mann sollte mit 40-45 Jahren erstmals einen PSA-Wert bestimmen lassen.
2. Ist der PSA-Wert im Bereich des alterskorrelierten Medianwertes (siehe Tab. 4: < 50 Jahre 0,7 ng/ml , < 60 Jahre 0,9 ng/ml , > 60 Jahre 1,4 ng/ml) so genügt die nächste PSA-Bestimmung in 2 Jahren.
3. Liegt der gemessene PSA-Wert über dem alterskorrelierten Medianwert so sollte beim Urologen eine rektale Palpation der Prostata und eine sonographische Größenbestimmung der Prostata erfolgen und davon das weitere Vorgehen abhängig gemacht werden. Bei PSA-dichte-Werten > 0,15 ng/ml/cm3 bzw. fPSA/tPSA-Quotienten < 0,20 sollten die Untersuchungen in 4-6-monatigem Abstand wiederholt werden.
4. Liegt der PSA-Wert in den Altersgruppen 40 – 59 Jahre über dem alterskorrelierten Medianwert aber noch unter 3 ng/ml so sollte bei unverdächtigem Prostatatastbefund und PSA-dichte Werten < 0,15 ng/ml/cm3 in 6 Monaten eine erneute PSA-Kontrolle mit Bestimmung des freien PSA-Wertes und der PSA-dichte erfolgen, um u.a. einen Hinweis auch auf die PSA-Velocity zu erhalten.
5 . Ist die Prostata sonographisch deutlich vergrößert (Volumen > 50 ccm) so ist der gemessene PSA-Wert nicht nur in Korrelation zum Alter sondern auch in Korrelation zur Prostatagröße (PSA-dichte !) zu sehen. Große Prostataadenome mit Volumina von 80-150 ccm oder noch größer haben nicht selten Gesamt-PSA Werte von zwischen 4 und 12 ng/ml oder noch mehr (persönliche Erfahrungen bis 35 ng/ml), ohne dass diese erhöhten PSA-Werte durch Krebszellen bedingt sein müssen. Bei solchen großen, gutartigen Prostataadenomen geben PSA-velocity ,PSA-dichte und freies PSA weitere Hinweise auf die Dignität der Prostata.
Alle großen Studien der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass die PSA-velocity auch bei gutartigen Prostataprozessen alterskorreliert ansteigt, aber bei weitem nicht so stark wie beim Prostatakarzinom.
Individuelle Faktoren, die den PSA-Wert beeinflussen / verfälschen können
Samstag, 15. Dezember 2007Aus verschiedenen Studien und dem klinischen Alltag ist bekannt, dass bestimmte individuelle Faktoren/Begleitumstände den gemessenen PSA-Wert im Sinne einer Erhöhung negativ beeinflussen können. Insbesondere sind dies all die Faktoren/Umstände , welche eine direkte oder indirekte Beteiligung der Prostata zur Folge haben, wie z.B. Verrichtungen, die entweder mit einer direkten oder indirekten Druckausübung auf die Prostata einhergehen , wie dies bei sexuellen und/oder sportlichen Betätigungen ,aber auch ärztlichen Handlungen gerne der Fall ist. Die wichtigsten Faktoren, welche zu einer fälschlichen Erhöhung des PSA führen können, sind unten aufgelistet:
- Harnwegsinfekt, bakterielle Prostatitis
- Ärztliche Massnahmen: Transrektaler Ultraschall, rektale Prostatapalpation Darm-,Blasenspiegelung
- Sportliche Betätigung
(insbes. Radfahren u. Reiten!) - Sexuelle Aktivitäten
(Tantrasex, Ejakulation)