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Nerv(Potenz)erhaltende Prostataentfernung mit hohen Impotenzraten

Sonntag, 18. Januar 2009

Die sogenannte Nerv(Potenz)erhaltende Prostataentfernung bei Prostatakrebs führt zu hohen bleibenden Impotenzraten auch in “Centres of Excellence”. Ergebnisse einer unabhängigen weltweiten Studie

In einer weltweiten Multicenterstudie mit 87 teilnehmenden Kliniken, welche als “Centres of Excellence” gelten, was die Nerv(Potenz) erhaltende Prostataentfernung beim Prostatakrebs angeht, wurden 628 Patienten eingeschlossen, welche sich einer beidseitigen Nerv erhaltenden Prostataentfernung unterzogen haben.

Die Patienten gehörten per definitionem der so genannten  Prostatakrebs Low Risk Gruppe an (PSA <10 ng/ml, Gleason Score ≤ 7). Innerhalb 14 Tage nach Operation wurden  die Patienten für 9 Monate einem der folgenden Behandlungsarme zugeteilt:

  • Vardenafil 10 mg täglich abends einzunehmen
  • Vardenafil 20 mg nur vor dem Sex einzunehmen
  • Placebo täglich abends einzunehmen
  • Placebo nur vor dem Sex einzunehmen.

Nach der Therapie bekamen die Patienten für 1 Monat in einem single blind modus Placebo und danach für 2 Monate in einer open lable Phase Vardenafil bei Bedarf , also vor  dem Sex. Als primärer Endpunkt dienten die Patienten welche nach 2 Monate wash-out Phase (also keine Behandlung mit einem wirksamen Potenzmedikament ) noch einen IIEF-EF Score von > 22 erreichten.

Alle Patienten waren vor der Prostataentfernung vollständig potent gemäß dem Internationalen Index der Erektionsfunktion (IIEF-EF, Score > 25) und regelmäßig sexuell aktiv. Unter den Deutschen Zentren, welche mit einer repräsentativen Anzahl von Patienten daran teilnahmen, befanden sich die auf Prostatakrebs spezialisierte private Martiniklinik in Hamburg sowie die Urologische Universitätsklinik Großhadern in München.

Die Ergebnisse dieser Studie sind mehr als ernüchternd ausgefallen: 12 Monate nach Durchführung der beidseits Nerv erhaltenden Prostataentfernung waren per definitionem nur noch ca. 27 % aller vor Operation  komplett potenten Patienten potent geblieben und dies obwohl es sich um eine so genannte low risk Prostatakrebs-Patientengruppe handelte.

Kommentar zur Studie über Impotenzraten bei Nerv erhaltenden Prostataentfernung

Die Ergebnisse dieser  Studie, welche erstmals über neutrale, nicht der jeweiligen Klinik/Institution zugehörige Personen ausgewertet wurden, stehen in krassem Gegensatz zu den von den jeweiligen Kliniken mitgeteilten Potenzraten, welche sie mit 80-95 % angeben (siehe Websites der jeweiligen Kliniken). Die Ergebnisse dieser weltweit objektiven Studie führen der Öffentlichkeit eindrucksvoll vor Augen, dass auch Centres of Excellence eine Impotenzrate von 70-80 % und nicht von 20% , wie sooft behauptet, nach “Potenz” erhaltender Prostataentfernung haben.

Patienten, welche an einem Prostatakrebs leiden und auf eine Potenz erhaltende Operation Wert legen, sollten diese Tatsachen verinnerlichen und wissen, dass die von den jeweiligen Kliniken subjektiv mitgeteilten Potenzraten sehr geschönt“, um nicht zu sagen gelogen sind.

Diese objektive Studie beweist dies weltweit zum ersten Male.

Quelle: Montorsi,F.et al: Effect of Nightly versus On-Demand Vardenafil on Recovery of Erectile Function in Men Following Bilateral Nerve Sparing Radical Prostatectomy.Eur Urol2008,54,924-931)

Hormon(Testosteron)entzugstherapie beim primär metastasierten, wiederkehrenden bzw. progressiven Prostata-karzinom – Frühzeitige versus verzögerte Therapie

Mittwoch, 27. Februar 2008

Sofortige oder verzögerte Testosteron-Entzugstherapie

Eine weit verbreitete Unsicherheit besteht  unter der Ärzteschaft, ob eine sofortige oder aber eine verzögerte Testosteronentzugstherapie (chemisch oder chirurgisch) bei Patienten mit primär fern metastasiertem ProstatakrebsRelaps bzw. bei Patienten mit einem so genanntem (Rezidiv) nach kurativer Therapie (operativ oder chirurgisch) ,nachgewiesen durch einen PSA-Anstieg, durchgeführt werden soll.

Aktualisierung der ASCO-Richtlinien bez. der hormonellen Therapie des recurrenten und progressiven Prostatakrebses

Anhand einer neu durchgeführten Literatur-Recherche hat die American Society of Clinical Oncology (ASCO) ihre 2004 publizierten Richtlinien (guidelines) bezüglich der hormonellen Therapie des androgen sensitiven, metastasierten , wiederkehrenden (recurrenten) oder progressiven Prostatakrebses aktualisiert (Loblaw , D.A. et al): In die den neuen Empfehlungen der ASCO zugrunde gelegten Literatur-Recherche gingen 7 randomisierte Studien, Ein systematischer Review, eine Metaanalyse, ein Markov Modell und ein die Delta Methode mit 95 % Konfidenzintervall zugrunde gelegtes Verfahren für aktiv kontrollierte Studien mit ein;


1.Sowohl der chirurgische (beidseitige Orchiektomie) als auch der chemische (LHRH-Analoga) Hormon(Testosteron)entzug werden als initiale Hormontherapie empfohlen.


2.Die Therapie mit nicht-steroidalen Antiandrogenen(z.B.Bicalutamid) wird als Alternative zu 1. als diskussionswürdig erachtet.


3.Die Monotherapie mit steroidalen Antiandrogenen (z.B.Cyproteronacetat) wird hingegen nicht empfohlen.


4. Die kombinierte (totale) Androgenblockade sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden.


5. Bei metastasiertem oder progredienten PCA resultiert die sofortige gegenüber der verzögerten,“Symptom (Schmerzen) “getriggertenHormonentzugstherapie in einer moderaten Verminderung (17 %) des relativen Risikos für die Karzinom spezifische Mortalität bei gleichzeitig moderatem Anstieg (15%) der nicht Karzinom spezifischen Mortalität, somit netto gesehen in keinem Gesamtüberlebensvorteil.


Unter Berücksichtigung dieser Daten kam das ASCO Gremium zu der Auffassung , dass derzeit keine strenge Empfehlung für eine frühzeitige Hormonentzugstherapie gegeben werden kann, und dass weitere prospektive Studien erforderlichRisikogruppen sind. Die geeignet sind, zu indentifizieren, welche von einer frühen Hormon(Testosteron)entzugstherapie profitieren.


Quelle: Loblaw,D.A.,Virgo,K.S.,Nam,R. et al: Initial hormonal management of androgen-sensitive metastatic, recurrent, or progressive prostate cancer: 2006 Update of an American Society of Clinical Oncology practice guideline.J Clin Oncol 25,1596-1605,2007

Prognose (Sterberisiko/Überlebenswahrscheinlichkeit) beim Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Montag, 14. Januar 2008

Anhand verschiedener großer Langzeitstudien war man in der Lage, verschiedene Kriterien beim Prostatakarzinom herauszuarbeiten, welche eine individuelle Risikostratifizierung zulassen. Parameter, welche in diese individuelle Risikostratifizierung mit eingehen, sind insbesondere der PSA-Wert, das Tumorstadium (T,N,M) sowie vor allem das Grading nach Gleason.

Studien der jüngsten Vergangenheit haben zusätzlich gezeigt, dass die PSA-Velocity und hierbei die PSA-Verdoppelungszeit die letzten 12 Monate vor Durchführung kurativer( in Heilungsabsicht durchgeführter) Therapiemaßnahmen (radikale Prostatektomie , Bestrahlungstherapie incl. Brachytherapie) bzw. palliativer Maßnahmen (Antihormontherapie,Chemotherapie) einen Einfluss auf Überlebens-wahrscheinlichkeit und Überlebensdauer beim Prostatakrebs haben.

In der Literatur existieren hierbei eine Reihe von Publikationen, welche unterschiedliche Risikostratifizierungen angeben, die sich aber nur in Nuancen unterscheiden.

Als sehr übersichtlich und nützlich, sowohl für den betroffenen Patienten als auch für den behandelnden Arzt, sei stellvertretend für alle Risikostratifizierungen die neueste Stadieneinteilung der American Urological Association (AUA) aus dem Jahre 2006 genannt (nachzulesen im Internet unter www.auanet.org):

Niedriges Risiko : PSA = 10 ng/ml
Gleason-Score = 6
Klinisch T 1 oder T 2a-Stadium

Mittleres Risiko: PSA > 10ng/ml und < 20 ng/ml
oder Gleason-Score 7
oder klinisch T 2b Stadium

Hohes Risiko: PSA > 20 ng/ml
oder Gleason Score 8-10
oder klinisch T 2c- Stadium

Weitere in der Literatur mitgeteilte Kriterien zur Beurteilung der Aggressivität eines Prostatakrebses und somit des Krebs-Sterberisikos sind (siehe Text vorher):

PSA-Velocity > 2 ng/ml/Jahr
PSA-Verdoppelungszeit < 1 Jahr
PSA-density > 0,18 ng/ml ccm3

Stadieneinteilung beim Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Mittwoch, 09. Januar 2008

Allgemeine Anmerkungen zur Stadieneinteilung bei Krebserkrankungen:

Die Stadieneinteilung beim Prostatakrebs richtet sich, wie bei allen anderen Krebsarten auch, nach der Ausbreitung des Krebses bei Diagnosestellung. Auch beim Prostatakrebs hat die Stadieneinteilung der UICC (Union Internationale Contre le Cancer) weltweit die größte Akzeptanz erlangt.
Die UICC ist eine internationale Organisation mit Hauptsitz in der Schweiz , welche 1933 gegründet wurde und deren Tätigkeitsbereich die Erforschung, Prävention und Behandlung aller Krebserkrankungen beinhaltet.

Zur Klassifizierung des Ausbreitungsstadiums eines Krebses (Karzinoms) wird bei allen Krebserkrankungen eine Einteilung nach drei Kriterien vorgenommen:

Lokales Ausbreitungsstadium eines Krebses (T-Stadium): Ist der Krebs noch auf das Organ (z.B.Niere, Prostata, Blase, Magen, Darm) beschränkt oder hat der Krebs bereits Nachbargewebe mit angegriffen. Je höher das T-Stadium, desto schlechter die Prognose, wobei T1-3 Stadien meist sagen ,dass der Krebs noch auf das betroffenen Organ begrenzt ist, während bei einem T4 - Stadium bereits die Nachbarorgane/Gewebe mit vom Krebs befallen sind.

Metastasierung in die örtlichen (lokoregionären) Lymphknoten (N-Stadium): Hat der Krebs bereits zu Metastasen in die örtlichen Lymphknoten geführt, welche in unmittelbarer Nähe zum mit Krebs befallenen Organ liegen, oder sind bereits entfernte Lymphknotenregionen befallen.

Beim Prostatakrebs z.B. wären die örtlichen Lymphknoten die in Prostatanähe befindlich Lymphknotenstationen entlang der Beckengefäße (Obturatoria- und Iliacalgefäße) , während entfernte Lymphknotenstationen solche oberhalb der Aufgabelung der Bauchschlagader (Aortenbifurkation) oder noch entfernter solche in Brustkorbhöhe (selten bis in die Schlüsselbeingrube reichend) bzw. in den Leisten darstellen.

Das N-Stadium besagt sowohl wie viele Lymphknotenmetastasen vorliegen und welche Größe sie haben. Allgemein lässt sich sagen, dass bei den meisten Organkrebsen, wo nur 1-2 kleine Lymphknoten befallen sind (sog. N1 – Stadium), durch eine radikale Operation mit Lymphknotenentfernung (sog. Lymphadenektomie) durchaus noch eine Heilung angestrebt werden kann bzw. möglich ist, während bei fortgeschrittenem Lymphknotenbefall (mehr als 2 Lymphknoten befallen bzw. Größe der Lymphknotenmetastasen > 2 cm) prinzipiell meist keine Heilung mehr möglich ist.

Durch eine vorgeschaltete Chemotherapie und nachfolgende radikalchirurgische Maßnahmen können in Ausnahmefällen dann doch noch Heilungschancen bestehen. Eine positive Ausnahme stellt hier der Hodenkrebs dar, der auch bei fortgeschrittenem Lymphknotenbefall durch eine Polychemotherapie noch hohe Heilungschancen besitzt.

Fernmetatstasierung (M-Stadium): Metastasierung über den Blutkreislauf in fern gelegene Organe wie z.B. die Knochen (bevorzugt beim Prostatakrebs und Brustkrebs befallen) bzw. die Lunge (häufig beim Hodenkrebs, Nierenkrebs oder Blasenkrebs befallen) oder die Leber (häufig befallen bei fortgeschrittenen Karzinomen der Verdauungsorgane wie Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse) .

Jedes M 1 (+) – Stadium sagt aus, dass eine Fernmetastasierung vorliegt. Generell lässt sich sagen, dass Krebsleiden mit Fernmetastasierung in über 90 % nicht mehr geheilt werden können und die Patienten daran versterben .In Abhängigkeit davon, welches Organ betroffen ist, kann der Todeszeitpunkt durch Chemo- oder Bestrahlungstherapien hinausgezögert werden.

Bei Vorliegen einer isolierten (Einzel-) Fernmetastase (z.B. nur eine Knochen- bzw. Lungen -oder Lebermetastase vorhanden) kann durch eine gezielte Metastasenchirurgie in Einzelfällen dann doch noch eine Heilung erreicht werden.
Nach UICC werden die verschiedenen Stadien eines Krebses dann gerne auch nach Stadium 0 – IV differenziert (siehe Tab. 11), wobei allgemein gilt, je höher das T-Stadium, desto schlechter die Heilungschancen

[Tabelle wird noch ergänzt]
Tab.11: Allgemeine Tumor-(Krebs) klassifikation nach UICC

Stadieneinteilung beim Prostatakarzinom (Prostatakrebs) nach UICC (von 1997, 6.Auflage)

T 0 : Kein Primärtumor
T 1 : Klinisch nicht erkennbarer Tumor
T1a : Zufälliger histologischer Befund (z.B. bei Prostataresektion): inzidentes Karzinom mit = 5 % des untersuchten Gewebes befallen
T 1b : Zufälliger histologischer Befund (z.B. bei Prostataresektion): inzidentes Karzinom mit = 5 % des untersuchten Gewebes befallen
T 1c : Diagnose durch Prostatabiopsie bei verdächtigem PSA
T 2 : Tumor auf Prostata begrenzt (Tastbefund, Bildgebende Verfahren)
T 2a : Ein Prostatalappen befallen
T 2b : Beide Prostatalappen befallen, evtl. mit Kapselinfiltration)
T 3 : Extrakapsuläre Ausbreitung (Krebs ist durch Prostatakapsel gewachsen)
T 3a : Prostatakapsel ein- oder beidseitig durchbrochen
T 3b : Prostatakrebs in Samenblasen infiltriert
T 4 : Prostatakrebs hat Harnblase, Schließmuskel oder Rektum (Mastdarm) bzw. Beckenwand infiltriert

Tab. 12a T- Stadium - Einteilung beim Prostatakrebs

Nx : Regionäre (lokale) Lymphknoten nicht beurteilbar
N0: Keine Lymphknotenmetastasen
N1: Regionäre Lymphknotenmeastasen (Lymphknoten entlang den obturatorischen bzw. externen iliacalen Gefäßen)
Mx : Vorliegen von Fernmetastasen nicht beurteilbar
M1 : Fernmetastasen vorhanden
M 1a: Metastasen in nicht regionären Lymphknoten (Leisten, oberhalb der Gefäßkreuzung (Aortenbifurkation)
M 1b: Knochenmetastasen
M 1c: Fernmetastasen in anderen Organen

Tab. 12b: Metastaseneinteilung (Lymphknoten, Fernmetastasen) beim Prostatakrebs.

Histologische Klassifizierung des Prostatakrebses nach WHO (World Health Organization)

Freitag, 04. Januar 2008

Die nach WHO vorgenommene Klassifizierung beurteilt einerseits die Drüsenarchitektur, andererseits die Zellkernstruktur:
Beurteilung der Drüsenarchitektur:

G 1: einfache Drüsen, teilweise mit papillären Strukturen
G 2: Verschmelzung von Drüsen mit kribriformen Mustern
G 3 abortive und fehlende Drüsenbildung

Beurteilung nach der Kernstruktur (Kernaplasie)
G 1: gering
G 2: mäßig
G 3: stark

Die Einordnung nach WHO erfolgt dabei nach dem ungünstigsten Grad, d.h. ergibt die Drüsenstruktur ein G 2 Grading und die Kernaplasie ein G 3 Grading ist das Gesamtgrading G 3.

Histologische Klassifizierung des Prostatakrebses (Beurteilung der Bösartigkeit / Aggressivität) nach Gleason

Samstag, 29. Dezember 2007

Wie schon aus dem vorher Gesagten ersichtlich wird gibt es unterschiedliche Klassifizierungen des Prostatakrebses im Sinne einer unterschiedlichen Bösartigkeit/Aggressivität. Weltweit hat sich hier die Klassifizierung (Grading) nach Gleason durchgesetzt (Gleason, D.F.Human Pathology,1992,23,273-279).

Zum besseren Verständnis sei hier kurz das Prinzip des  Gleason-Grading dargestellt: Es richtet sich nach der im Mikroskop beurteilten Architektur der Prostatadrüsen, wobei laienhaft ausgedrückt Folgendes zutrifft: Je ungeordneter (undifferenzierter ) die Prostatadrüsen im Biopsiepräparat erscheinen desto höher die Bösartigkeit und Aggressivität des Krebses:

Gleason Score 1: uniforme Drüsen, scharf abgegrenzt zu anderen Gebestrukturen.
Gleason Score 2: weniger uniforme Drüsen und weniger abgegrenzt
Gleason Score 3: unregelmäßige Drüsen , unscharf abgegrenzt
Gleason Score 4: Verschmelzung der Drüsen mit Infiltration in die Umgebung
Gleason Score 5: gerade noch erkennbare Drüsenstrukturen mit Vakuolenbildung

Bei denn Prostatabiopsien werden insgesamt zwischen 8 und 12 Biopsien aus verschiedenen Arealen der Prostata (aus beiden Prostatalappen je 4-6 Biopsate) entnommen und die so gewonnenen 15-25 mm langen Stanzzylinder im Mikroskop untersucht. Es werden dabei je Zylinder 2 unterschiedliche Tumorareale bewertet, woraus sich dann der Gleason-Score errechnet:

Beispiel: Hat ein Tumorareal die überwiegende Drüsenstruktur Gleason 4 und das andere Tumorareal überwiegend Gleason 3 dann ergibt sich insgesamt ein Gleason-Score von 7 (4+3) .

Auf Grund zahlreicher Langzeitstudien weiß man heute, dass Prostatakarzinome, welche einen Gleason-score von < 7, also Gleason-Score  2-6, aufweisen eine insgesamt günstige Prognose aufweisen, während Prostatakrebse mit der Klassifizierung Gleason-Score 7-10 eine deutlich schlechtere Prognose zeigen, auch wenn sie in kurativer Absicht radikal operiert worden sind.

Empfehlungen zum sinnvollen Prostatascreening

Dienstag, 18. Dezember 2007

Da mittlerweile Bücherregale an Publikationen über Cut-off Werte für Gesamt-PSA , freies PSA und PSA-Velocity existieren , welche mehr dazu angetan sind sowohl Laien als auch Ärzte zu verwirren, denn Ihnen Sicherheit zu geben, erscheint insbesondere unter Berücksichtigung der in den letzten 2 Jahren publizierten großen Studien mit Zehntausenden von Männern derzeit  folgendes Fazit zum PSA erlaubt:

1. Jeder Mann sollte mit 40-45 Jahren erstmals einen PSA-Wert  bestimmen lassen.

2. Ist der PSA-Wert im Bereich des alterskorrelierten Medianwertes (siehe Tab. 4: < 50 Jahre 0,7 ng/ml , < 60 Jahre 0,9 ng/ml , > 60 Jahre 1,4 ng/ml) so genügt die nächste PSA-Bestimmung in 2 Jahren.

3. Liegt der gemessene PSA-Wert über dem alterskorrelierten Medianwert so sollte beim Urologen eine rektale Palpation der Prostata und eine sonographische Größenbestimmung der Prostata erfolgen und davon das weitere Vorgehen abhängig gemacht werden. Bei PSA-dichte-Werten > 0,15 ng/ml/cm3 bzw. fPSA/tPSA-Quotienten < 0,20 sollten die Untersuchungen in 4-6-monatigem Abstand wiederholt werden.

4. Liegt der PSA-Wert in den Altersgruppen 40 – 59 Jahre über dem alterskorrelierten Medianwert aber noch unter 3 ng/ml so sollte bei unverdächtigem Prostatatastbefund und PSA-dichte Werten < 0,15 ng/ml/cm3 in 6 Monaten eine erneute PSA-Kontrolle mit Bestimmung des freien PSA-Wertes und der PSA-dichte erfolgen, um u.a. einen Hinweis auch auf die PSA-Velocity zu erhalten.

5 . Ist die Prostata sonographisch deutlich vergrößert (Volumen > 50 ccm) so ist der gemessene PSA-Wert nicht nur in Korrelation zum Alter sondern auch in Korrelation zur Prostatagröße (PSA-dichte !) zu sehen. Große Prostataadenome mit Volumina von 80-150 ccm oder noch größer haben nicht selten Gesamt-PSA Werte von zwischen 4 und 12 ng/ml oder noch mehr (persönliche Erfahrungen bis 35 ng/ml), ohne dass diese erhöhten PSA-Werte  durch Krebszellen bedingt sein müssen. Bei solchen großen, gutartigen Prostataadenomen geben PSA-velocity ,PSA-dichte und freies PSA weitere Hinweise auf die Dignität der Prostata.

Alle großen Studien der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass die PSA-velocity auch bei gutartigen Prostataprozessen alterskorreliert ansteigt, aber bei weitem nicht so stark wie beim Prostatakarzinom.

Individuelle Faktoren, die den PSA-Wert beeinflussen / verfälschen können

Samstag, 15. Dezember 2007

Aus  verschiedenen Studien und dem klinischen Alltag ist bekannt, dass bestimmte individuelle Faktoren/Begleitumstände den gemessenen PSA-Wert im Sinne einer Erhöhung negativ beeinflussen können. Insbesondere sind dies all die Faktoren/Umstände , welche eine direkte oder indirekte Beteiligung der Prostata zur Folge haben, wie z.B. Verrichtungen, die entweder mit einer direkten oder indirekten Druckausübung auf die Prostata einhergehen , wie dies bei sexuellen und/oder sportlichen  Betätigungen ,aber auch ärztlichen Handlungen gerne der Fall ist. Die wichtigsten Faktoren, welche zu einer fälschlichen Erhöhung des PSA führen können, sind unten  aufgelistet:

  •  Harnwegsinfekt, bakterielle Prostatitis
  • Ärztliche Massnahmen: Transrektaler Ultraschall, rektale Prostatapalpation Darm-,Blasenspiegelung
  • Sportliche Betätigung
    (insbes. Radfahren u. Reiten!)
  • Sexuelle Aktivitäten
    (Tantrasex, Ejakulation)

PSA-Isoformen und Komplexer PSA-Test

Dienstag, 11. Dezember 2007

In den letzten Jahren wurde verschiedene Methoden zur Bestimmung von so genannten PSA-Isoformen wie komplexiertes PSA , humanes Kallikrein 2 (HK2) und pro-PSA entwickelt und bezüglich ihres Diskriminierungspotenzials  zwischen gutartigen Prostatavergrößerungen und Prostatakrebs diskutiert, wobei der momentane Sachstand ist, dass keine der genannten Bestimmungsmethoden Eingang in die breite klinische Anwendung gefunden hat und den anderen Parametern wie  Bestimmung des freien PSA, der PSA- velocity und der PSA-density eindeutig unterlegen sind. Es soll deshalb hier auf diese Methoden nicht näher eingegangen werden.

Das Problem der unterschiedlichen PSA-Bestimmungsmethoden und deren Vergleichbarkeit:

Es ist eine in der Literatur häufig diskutierte Tatsache, dass es

1. eine Anzahl verschiedener PSA-Bestimmungsmethoden, angeboten von verschiedenen Herstellern, gibtund
2. eine hohe Variabilität zwischen diesen PSA-Bestimmungsmethoden bezüglich der gemessenen Gesamt-PSA-Werte existiert.

Will heißen: Der beim Hausarzt gemessene PSA-Wert kann erheblich von dem beim Urologen oder andernorts gemessenen PSA-Wert abweichen!

Auf diese große Problematik wurde jüngst in einer ausführlichen Übersichtsarbeit hingewiesen (Quelle: Soletormos,G. et al: Biological variation of total prostate specific antigen: a survey of published estimates and consequences for clinical practice.Clin. Chem. 2005,51,1342-1351):

Die Autoren fanden eine durchschnittliche Variabilität von 20 % zwischen den verschiedenen PSA-Testen (~ 33 % bei 95 % Konfidenz Intervall), d.h., dass bei einem wirklichen PSA-Wert von z.B. 4,5 mit dem einen Testverfahren ein PSA-Wert von 3,0 und mit dem anderen Testverfahren von 6,0 ng/ml gemessen werden kann.

Welche klinische Konsequenzen solche großen, bis zu 100 % igen  Unterschiede der gemessenen Gesamt - PSA-Werte nach sich ziehen können sollte anhand der obig beschriebenen Ergebnisse auch jedem Laien klar geworden sein.

Leider hat sich im Zeitalter des „Arzthoppings“ oftmals eingebürgert, dass ein Mann mit einem grenzwertigen PSA-Wert diesen dann beim Internisten, beim Hausarzt und beim Urologen messen lässt und dann 3 verschiedene Werte erhält, die, wie schon aufgezeigt, durchaus zwischen 2 und 4 ng/ml schwanken können – damit ist keinem geholfen!!

Für jeden Mann ab 40 Jahren gilt deshalb uneingeschränkt:

Die PSA-Werte müssen immer beim selben Arzt bzw. im selben Labor mit derselben Bestimmungsmethode gemessen werden, da sie sonst nicht miteinander vergleichbar sind und sonst zu schwer wiegenden diagnostischen und psychischen Konsequenzen führen können.

PSA-Velocity (PSA – Anstiegsgeschwindigkeit – PSA - Verdopplungszeit)

Mittwoch, 05. Dezember 2007

In den letzten Jahren sind viele Publikationen erschienen, die allesamt zu dem Ergebnis kamen, dass die so genannte PSA – Velocity (PSA – Anstiegsgeschwindigkeit) bzw. die PSA – Verdoppelungszeit , also der Zeitraum, in welchem sich der PSA – Wert verdoppelt, ein entscheidendes Kriterium dafür ist, ob

1. ein Prostatakarzinom mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegt und
2. welche Prognose der Patient hat.

Insbesondere die PSA-Velocity bzw. Verdoppelungszeit das Jahr vor der Diagnosestellung Prostatakrebs hat einen Einfluss auf die Prognose.

Über das langfristige Verhalten des PSA-Wertes bei Patienten ohne Prostatakrebs und solchen, bei denen sich über die Zeit ein Prostatakarzinom entwickelt, gibt eine groß angelegte Studie aus Tirol Aufschluss (Quelle: Berger et al: Longitudinal changes in men with and without prostate cancer: assessment of prostate cancer risk. Prostate 2005, 64, 240 – 245) :
bei 2.815 Einwohnern des  österreichischen Bundeslandes Tirol wurden über einen Zeitraum von 10 Jahren insgesamt 32.661 PSA – Bestimmungen durchgeführt. Bei 353 Männern, bei welchen über einen Zeitraum von mindestens 6 Jahren das PSA bestimmt worden war und bei welchen dieser entweder angestiegen oder der Tastbefund der Prostata verdächtig war , wurde stanzbioptisch ein Prostatakarzinom festgestellt. Kriterium zur Durchführung einer Prostatabiopsie waren u.a. entweder ein Anteil an freiem PSA von 22 % bzw. ab 1995 von 18 % oder ein Gesamt PSA von > 10 ng/ml.

[Abbildung wird noch nachgereicht]
Wie die Abb. 8 eindrucksvoll belegt kommt es bei der Entwicklung eines Prostatakarzinoms zunächst in den ersten Jahren zu einem linearen Anstieg des PSA-Wertes , der dann in einen exponentialen Anstieg ausmündet.

Abb.8: PSA-Anstieg bei Patienten mit sich entwickelndem Prostatakarzinom (rote Kurve) im Verlauf von 10 Jahren vor der Diagnosestellung und bei  Männern gleichen Alters , bei welchen sich kein Prostatakrebs entwickelte (blaue Kurve).Ergebnisse der so genannten Tiroler PSA-Studie (siehe Text)
(Quelle: Berger et al: Longitudinal changes in men with and without prostate cancer: assessment of prostate cancer risk. Prostate 2005, 64, 240 – 245)

Bis vor kurzem wurden PSA-Anstiegszeiten von 0,75 ng/ml/Jahr als verdächtig auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms angesehen, wenn diese über 2-3 Jahre bestanden.

In einer 2007 publizierten Arbeit wurden die alterskorrelierten PSA-Werte und insbesondere die PSA-Velocity anhand einer riesigen Datenbasis analysiert
(Quelle: Moul,J.W. et al: Age adjusted prostate specific antigen and prostate specific antigen velocity cut points in prostate cancer screening.J Urol 2007,177,499-504):

In der Datenbasis des Duke Prostate Center waren 33.643 Männer gespeichert, wovon 11.861 Männer 2 oder mehr PSA-Messungen innerhalb von 2 Jahren hatten.
Die Prävalenz (Häufigkeit) des Prostatakrebses war in dieser großen Beobachtungsserie wie folgt:

50-59 Jahre: 8 % (n=273)
60-69 Jahre: 14,9 % (n=659)
> 70 Jahre: 17,9 % (n=722)

Parameter
50-59 J.
PCA -         PCA +
60 – 69 J
PCA -           PCA +
>  70 Jahre
PCA -           PCA +

Median PSA
1,1               5,6
1,6                 6,4
2,4                8,1
Median PSAV
0,18             1,37
0,25                1,5
0,37               1,86

Tab.8: Alterskorrelierte Medianwerte für Gesamt PSA und PSA-Velocity (PSAV)
Bei Patienten ohne (PCA -) und mit (PCA +) Prostatakarzinom.
(Quelle: Moul,J.W. et al:.J Urol 2007,177,499-504)

Auf Grund ihrer Ergebnisse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass insbesondere in der jüngeren Altersgruppe 50-59 Jahre bei  PSA-Cut-off Werten von 4 ng/ml und Cut-off Werten der PSA-Velocity von 0,75 ng/ml das Risiko auf das Vorhandensein auf einen Prostatakrebs eindeutig unterschätzt wird. Die Autoren empfehlen deshalb, dass bei jüngeren Männern (< 60 Jahre) folgende Cut-Off Referenzwerte zur Entscheidungsfindung , ob eine Prostatabiopsie durchgeführt werden soll  oder nicht, genommen werden sollen:

Männer < 60 Jahre
Gesamt PSA- Cut - off Wert : 2 ng/ml
PSA-Velocity: 0,4 ng/ml/Jahr.

Schließlich wurden  jüngst die Daten einer  großen Prostatatakrebs - Screening Studie publiziert  , an welcher 13.276 Männer teilgenommen hatten, von denen wegen Überschreitens des festgesetzten PSA-cut-off Wertes 1.851 einer Prostatabiopsie unterzogen worden waren ,wobei  schließlich bei 894 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiert worden ist. (Quelle: Yu,X et al: The Association between total specific antigen concentration and prostate specific antigen velocity.J.Urol. 2007, 177,1298 – 1302) Die Autoren konnten dabei einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den gemessenen PSA-Gesamtwerten und der PSA-Velocity pro Jahr feststellen:

Gesamt-PSA-Wert
PSA-Velocity > 2 ng/ml/Jahr
< 2,5 ng/ml
1 %
2,6 – 4,0 ng/ml
14 %
4,1 – 10 ng/ml
31 %
> 10 ng/ml
74 %

Tab: 9: Verhältnis Gesamt-PSA-Wert und PSA-Velocity > 2ng/ml.
(Quelle: Yu,X et al, J.Urol. 2007, 177,1298 – 1302)

Die Autoren konnten dabei zeigen, dass eine PSA-velocity > 2 ng/ml/Jahr mit einer erhöhten Prostatakrebssterblichkeit einhergeht.